Die Farbenlehre der Mitfreuer

3. März 2006, 15:54
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Jubel in Schwarz, Orange und Rot

Wien - Ob schwarz, ob orange, ob rot - sie lieben alle "unsere" Olympiasieger. Was auf schwarz-oranger Regierungsebene willkommener Anlass war, sich öffentlich vor Kameras, aber auch für die Konsumenten diverser Printmedien in Inseratenform "mit-zufreuen", war auch für SP-Landespolitiker und einen ÖVP-Landeschef Grund, sich in die rot-weiß-rote Gratulantenschar einzureihen.

Dass auch rote Co-Claqueure einstiegen ins große Freuen, freute wiederum die gescholtenen Koalitionäre. Sie erblickten sofort ein treffliches Entlastungsargument für ihre von der Opposition als "Vereinnahmung" kritisierte Kollektiv-Freude. BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch hatte am schnellsten Beweismaterial gegen die "scheinheiligen" roten Angreifer zur Hand.

Höllisch schnell geschaltet

Fündig wurde Scheuch unter anderem in der Kärntner Woche. Dort sprach SP-Sportrefent Wolfgang Schantl einen "Herzlichen Glückwunsch!" aus. Stellvertretend abgebildet für "Kärnten", das zwei erfolgreichen Olympia-Kärntnern gratuliert und "stolz auf euch" ist. Skiflieger Thomas Morgenstern, doppelt vergoldet, und Skifahrer Rainer Schönfelder, für den zwei Bronze-Medaillen "klimperten", wurden neben Schantl platziert. Scheuch entdeckte prompt einen "peinlichen Fehler" im Suchbild: Martin Koch, der Team-Springen-Gold "heim" nach Kärnten brachte, fehlte. Nicht so im SP-regierten Villach, das ganz "begeistert" war über "3 x Gold!" - zwei von Morgenstern, eine vom erinnerten Martin Koch. Die Begeisterung war Bürgermeister Helmut Manzenreiter und Vize Richard Pfeiler Inserate in der Kleinen Zeitung, Krone und Kärntner Tageszeitung wert.

VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka wähnte nach Scheuchs "Zulieferung" SP-Inserate "von Kärnten bis Salzburg" und zieh die Roten der "Doppelbödigkeit". Aus Salzburg folgte ein Dementi, die SPÖ habe nicht inseriert. Dafür hat man sich in Niederösterreich schwarz gefreut über Doppel-Gold von Michaela Dorfmeister. Sie verschaffte Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) einen glänzenden Grund, sich mitzufreuen - im Namen des Landes. Er schaltete fast so schnell wie Dorfmeister zum Sieg gerast war: "Wie die Hölle" seien ihre Ski gegangen, ließ die Neusiedler Olympionikin wissen. Zwei Tage später folgte die Kollektiv-Gratulation im Kurier: "Niederösterreich freut sich über die Goldmedaillen in Abfahrt und Super-G." Handschriftlich signiert von Pröll. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.2.2006)

von Lisa Nimmervoll
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