Fieber-Virus bedroht Europa

1. März 2006, 15:57
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Erste Fälle von Chikungunya-Fieber auf dem Kontinent - Münchnerin mit Virus aus Mauritius heimgekehrt

Saint-Denis/Hamburg - Die französische Regierung hat die ersten Fälle von Chikungunya-Fieber in Europa bestätigt. Es gebe "einige dutzend" Fälle, bei denen Reisende die Krankheit von Inseln wie La Réunion vor Ostafrika (nahe der Seychellen) mitgebracht hätten, sagte Gesundheitsminister Xavier Bertrand am Montag.

Eine Übertragung in Frankreich selbst sei nicht bekannt, weil es dort "zurzeit" keine Mücken gebe, die das Virus verbreiten könnten. Das Hamburger Tropeninstitut hielt die Ausbreitung der immer sehr schmerzhaft verlaufenden Krankheit, die inzwischen auch für Todesfälle verantwortlich gemacht wird, in Europa für unwahrscheinlich.

Finanzhilfe "Es handelt sich um Menschen, die sich Chikungunya bei Aufenthalten auf einer der Inseln im Indischen Ozean geholt haben und ins Mutterland zurückgekehrt sind", sagte Bertrand in Saint-Denis-de-la-Réunion. Er war mit Premierminister Dominique de Villepin dorthin gereist. Villepin kündigte 76 Millionen Euro Finanzhilfe für den Kampf gegen Chikungunya im Überseegebiet an.

Der französische Sozialistenchef Fran¸cois Hollande warf der bürgerlichen Regierung vor, die Epidemie monatelang vernachlässigt zu haben. Es habe "eine unerträgliche Gleichgültigkeit" gegeben, sagte der Oppositionspolitiker am Sonntagabend. "Noch im Jänner hat der Gesundheitsminister gesagt, das sei keine tödliche Krankheit." Nun gebe es 77 Tote.

"Gekrümmt Gehende" Erste Fälle von Chikungunya (Kisuaheli für "der gekrümmt Gehende") waren auf La Réunion vor einem Jahr aufgetreten. Seither sind 157.000 Menschen erkrankt, ein Fünftel der Bevölkerung. Auch von der französischen Insel Mayotte, von Madagaskar, Mauritius und den Seychellen wurden Krankheitsfälle gemeldet. Infizierte leiden teils monatelang unter Hautausschlägen, hohem Fieber, Gelenk- und Gliederschmerzen. Das Fieber galt ursprünglich als nicht tödlich. Ein Heilmittel gibt es nicht.

Das Virus wird auf La Réunion durch eine ungewöhnlich starke Vermehrung der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) verbreitet. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Allerdings hat sich die Asiatische Tigermücke in den vergangenen Jahren in mehreren europäischen Ländern etabliert, auch in Frankreich und in Italien.

Münchnerin infiziert

Eine 63 Jahre alte Frau aus München hat sich laut Münchner Tropeninsitut auf Mauritius mit dem Chikungunya-Fieber angesteckt. "Wir haben das Virus identifiziert", sagte Thomas Löscher vom Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität in München der "Süddeutschen Zeitung". Es sei der erste Fall in Deutschland gewesen. (AFP/DER STANDARD-Printausgabe 28.02.2006, APA/dpa)

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    Frankreichs Premier Dominique de Villepin reiste zur Insel La Réunion, um den Kampf gegen das Chikungunya-Virus zu inspizieren

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