Frankreichs Energiefusion: Italien will bei der EU klagen

27. März 2006, 14:48
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Italien macht in Brüssel gegen die Fusion von Gaz de France und Suez mobil. Doch Paris lässt sich beim Bau eines neuen "Champions" nicht beirren

Paris/Rom/Brüssel - Frankreich treibt die Fusion der Energiekonzerne Suez und Gaz de France (GdF) energisch voran – und riskiert damit einen Streit mit Italien.

Die Regierung in Rom sieht wegen des Fusionsbeschlusses die Expansionspläne des italienischen Stromkonzerns Enel in Frankreich blockiert. Die Regierung will bei der EU- Kommission Klage gegen Frankreich wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln einreichen. "Wir haben gravierende Verletzungen der Wettbewerbsregeln festgestellt", sagte der italienische Industrieminister Claudio Scajola, der aus Protest ein Treffen mit seinem französischen Amtskollegen in Paris, Fran¸cois Loos, absagte. "Wir fragen die EU- Kommission: Wo bleibt sie? Es gibt Sanktionen für diejenigen, die die Regeln nicht respektieren", meinte Scajola.

Die erste Reaktion der EU- Kommission fiel nicht so scharf wie gegen Spanien aus. Der Kommissionssprecher sagt, die Schaffung von "Champions" im Energiebereich sollte nicht das Ergebnis politischer Intervention sein, sondern das Ergebnis von Marktentwicklung. Am Freitag hatte die EU-Kommission Spaniens Regierung vor Versuchen gewarnt, durch eine Gesetzesänderung eine Übernahme von Endesa durch die deutsche E.on zu verhindern.

Fusionspläne gebilligt

Die Vorstände von GdF und Suez billigten am Montag die Fusionspläne. Nach Angaben des französischen Wirtschaftsministers Thierry Breton soll GdF Suez vollständig übernehmen. Der französische Staat, bisher mit 80 Prozent an GdF beteiligt, will als größter Aktionär 35 Prozent am neuen Konzern halten. Mit ihrer Sperrminorität werde seine Regierung "jeden feindlichen Übernahmeversuch verhindern" können, sagte Breton. Noch ist Frankreich gesetzlich verpflichtet, mindestens 70 Prozent an GdF zu halten; diese Regelung soll geändert werden.

Das Zusammengehen soll jährliche Einsparungen von mindestens 500 Mio. Euro bringen. Stellen seien nicht gefährdet, betonten die Firmen; vielmehr würde der Konzern durch die Fusion eine für eine "sehr ehrgeizige Entwicklung ausreichende Größe" erreichen. Durch die Fusion entsteht einer der größten Gaskonzerne der Welt und der wichtigste Anbieter von Flüssiggas. (DER STANDARD, AP, Reuters, afs, Print-Ausgabe, 28.2.2006)

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