"Bei mir war es die typische Petrocelli-Entscheidung"

23. März 2006, 13:10
5 Postings

Von den mehr als 2000 unterschiedlichen Berufsbildern sind landläufig zwanzig bis dreißig bekannt. Die meisten Schüler fühlen sich hier zu wenig informiert

Der hedonistische Zeitgeist sei einem pragmatischen Realismus gewichen, ist in der Studie "Jugend und Beschäftigung" zu lesen - im Auftrag des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, durchgeführt vom Institut für Jugendkulturforschung. Die sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führten zu einer Entstandardisierung von Bildung und Bildungsbiografien. Das heute kaum überschaubare Angebot an Ausbildungswegen werde einerseits als Chance verstanden, sei aber andererseits mit Entscheidungsdruck verbunden.

Die Diskussion zum Thema der Berufs- und/oder Ausbildungsorientierung, an der neben fünf Schülern - Julia Wurm, Lisa Mönichweger, Nina Palmstorfer, Alexander Müller und Christoph Leschanz - Markus Gruber, Geschäftsführer von GPK und Mitherausgeber von Career 2006, Rainer Wimmer, Geschäftsführer TUCareer und Bettina Reicher, Leiterin des SCHÜLERSTANDARD/UNI- STANDARD teilnahmen, bestätigte die Ergebnisse oben genannter Studie. Von Eltern wie Lehrern fühlen sich die Schüler nicht gut beraten. Als Informationsquelle diene zuallererst das Internet. Grundsätzlich würden die Schüler bei Berufs- und Ausbildungswahl eher ihren Neigungen nachgehen, denn Zahlen einer Arbeitsmarktstatistik. Julia Wurm: "Ich wurde darin unterstützt, das zu machen, was ich wirklich will und habe es bis jetzt nicht bereut." Sie wolle aus dem Studium so viel wie möglich für sich rausholen, sich dabei so viele Optionen wie möglich offen lassen. Naturwissenschaften könne sie aber definitiv ausschließen, "auch wenn das zu den Zukunftsberufen zählt", sagt sie. Die Ausbildung nach Arbeitsmarktzahlen auszusuchen sei auch kein guter Rat, ist Bettina Reicher sicher, in zehn Jahren seien diese Daten alle veraltet. Dies auch in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Arbeitslosigkeit - auch unter Akademikern - zunehmend als Bedrohungsszenario darstelle.

"Die landläufig bekannten Berufsbilder und bzw. Ausbildungswege sind ,Klassiker'", sagt Markus Gruber. "Von den rund 2000 kennt im Schnitt jeder zwanzig, dreißig." Er selbst habe Jus studiert - eine "Petrocelli-Entscheidung" (70er-Jahre-Serie mit TV-Anwalt Petrocelli, Anm.) wie er sagt. Die Jungen heute stehen unter größerem Entscheidungsdruck, so Gruber. Er rate jedem ab dem 15. Lebensjahr zu einer Potenzialanalyse, um Interessen und Neigungen auf die Spur zu kommen. Auch seien Datenbanken zur Berufsorientierung, wie etwa jene des Arbeitsmarktservice (AMS) sehr informativ.

"Die Entscheidung nach der Matura ist nur der erste Schritt im lebensbegleitenden Lernens (LLL) oder der Karriere", versucht Rainer Wimmer Druck zu nehmen. Institutionen wie die Karrierezentren an den Unis wären auch an Schulen gut. Dort könnte man etwa lernen, sich richtig zu bewerben - zum Beispiel für Praktika. Einen der von Schülern begehrten Praktikumsplätze wurde von Markus Gruber für die Diskutanten zur Verfügung gestellt, nebst Hill-Potenzialanalysen und einer Ausgabe Career 2006 für alle. (DER STANDARD-Printausgabe, 26.2.2006)

Von Heidi Aichinger

www.gpk.at

www.tucareer.com

  • Artikelbild
Share if you care.