Nach Unruhen in Dublin Kritik an mangelnder Polizeipräsenz

1. März 2006, 16:27
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Unabhängige Untersuchung der Vorfälle angekündigt

Dublin - Zwei Tage nach den schweren Ausschreitungen in der irischen Hauptstadt Dublin sind Vorwürfe einer unzureichenden Polizei-Präsenz laut geworden. Der Vorsitzende der größten Polizei-Gewerkschaft, Dermot O'Donnell, sagte am Montag, die verantwortlichen Stellen hätten viel zu wenige Beamte eingesetzt, um die Unruhen einzudämmen. Er schloss sich den Forderungen von Oppositionsparteien nach einer unabhängigen Untersuchung der Vorfälle an.

Irische Nationalisten hatten sich Samstagmittag aus Protest gegen einen geplanten Marsch nordirischer Protestanten durch die Dubliner Innenstadt Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Bei den vierstündigen Kämpfen auf einer der Haupt-Einkaufsstraßen wurden Autos angezündet, Geschäfte verwüstet und 14 Menschen verletzt, darunter sechs Polizisten. Mehr als 40 Personen wurden festgenommen. Es handelte sich um die schwersten Ausschreitungen in Dublin seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Mit Polizisten gesprochen

Die Kollegen hätten deutlich mehr Unterstützung benötigt, sagte O'Donnell, Präsident der Gardai Representative Association, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl der Polizisten hätte rund vier Mal höher sein müssen, um der Gewalt Herr zu werden. "Ich habe mit einigen Polizisten gesprochen, die an dem Tag im Einsatz waren und jetzt zum Teil im Krankenhaus liegen, und sie haben mir bestätigt, dass sie drastisch unterbesetzt waren."

O'Donnell kritisierte auch, dass Metallzäune und Pflastersteine an Baustellen über das Wochenende nicht weggeräumt worden seien. Die Demonstranten hätten so zahlreiche Wurfgeschosse zur Verfügung gehabt. Die Polizei hatte am Wochenende Berichte zurückgewiesen, die Protestaktion sei schon lange zuvor bekannt gewesen.

Der Konflikt um die britische Provinz Nordirland im Nordosten der Insel von Irland ist in den vergangenen Jahrzehnten nur selten auf die Irische Republik übergeschwappt. Die katholische Untergrundbewegung IRA kämpft seit den sechziger Jahren gegen die Zugehörigkeit Nordirlands zu Großbritannien und für eine Anbindung an Irland. Während des religiös und nationalistisch motivierten Konflikts kamen rund 3600 Menschen ums Leben. Im vergangenen Sommer schwor die IRA allerdings offiziell der Gewalt ab. (APA/Reuters)

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