"Ahornblätter" spielen britisch-skandinavisch

1. März 2006, 22:49
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Bisherige Höhepunkte waren WM-Qualifikation für 1986 und Gewinn des Gold-Cups - Teamchef Yallop erwartet in Wien schwere Aufgabe

Wien - Am Mittwoch scheint der Name einer Mannschaft auf der Anzeigentafel im Wiener Ernst Happel-Stadion auf, den man in Österreich zwar mit Eishockey, kaum aber mit Fußball in Verbindung gebracht hätte: Kanada. Es wird das erste Duell einer ÖFB-Auswahl mit den Nordamerikanern, die allerdings schon mehr als 250 Länderspiele absolviert und dabei auch wiederholt in Europa nicht zuletzt gegen starke Teams (in jüngerer Zeit u.a. Deutschland, Portugal, Spanien, Tschechien) angetreten sind, allerdings jeweils verloren haben, wobei das knappe 1:2 am 3. September 2005 in Santander gegen Morientes und Co. beachtlich ist.

Tradition mit Auszeiten

Unglaublich, aber wahr. Die "Ahornblätter" trugen ihr erstes Länderspiel bereits 1885 aus. Der Gegner in Newark hieß nicht gerade überraschend USA und wurde 1:0 geschlagen. Nach insgesamt drei Begegnungen war 1888 für 36 Jahre Schluss. Der Verband (The Canadian Soccer Association) mit Sitz in Ottawa wurde offiziell 1912 gegründet und gehört seit 1913 der FIFA an.

Nach 14 Länderspielen von 1924 bis 1927 nahmen die kanadischen Kicker eine lange Auszeit, nämlich 30 Jahre und kehrten erst 1957, erstmals in der WM-Qualifikation, auf die internationale Bühne zurück. Ab diesem Zeitpunkt ließen die Kanadier dann keine Qualifikation mehr aus und kamen einmal auch ans angepeilte Ziel. Fünf Siege bei drei Remis machten es möglich, Kanada durfte in der Endrunde 1986 in Mexiko mitspielen. Dort war zwar nichts zu holen, doch Prügelknabe war der Außenseiter auch nicht. 0:1 gegen Frankreich (Tor durch Papin erst in der 79. Minute), 0:2 gegen Ungarn und 0:2 gegen die UdSSR.

Zwei Glanzlichter

Der zweite Höhepunkt der Verbandsgeschichte passierte im Jahr 2000, als sich die "Ahornblätter" in Kalifornien den CONCACAF-Gold-Cup holten. Ab Viertelfinale mit Siegen gegen Mexiko (2:1), Trinidad/Tobago (1:0) und im Finale gegen Kolumbien (2:0). Der Lohn war die Teilnahme am Confederations-Cup 2001 in Japan. Vom 0:0 gegen den inzwischen fünffachen Weltmeister Brasilien erzählen die Kanadier immer noch voll Stolz.

Die Kanadier bevorzugen seit vielen Jahren einen britisch-skandinavischen Stil, verdienen doch viele ihrer besten Akteure in England und in nordischen Ländern, vor allem derzeit in Norwegen, ihr Geld. In der FIFA-Weltrangliste nehmen die Nordamerikaner derzeit den 85. Rang ein, das ist nur um 15 Positionen schlechter als Österreich.

Gute Mischung

Frank Yallop, seit Ende 2003 Teamchef der Kanadier, registriert eine ständige Aufwärtsentwicklung seines Teams. Für das Wiener Spiel hat er etliche Akteure zur Verfügung, die zuletzt aus diversen Gründen nicht dabei gewesen waren. Yallop, als Aktiver u.a. bei Ipswich unter Vertrag, freut sich über "eine gute Mischung zwischen Jugend und Erfahrung". Er wäre schon ganz aufgeregt zu sehen, was er mit dieser Mannschaft in Wien erreichen könne. "Aber ich weiß, es wird eine schwere Aufgabe", meinte er.

Was sein Aufgebot betrifft, so spielt mit Torhüter Greg Sutton (Montreal) nur ein einziger Akteur in der Heimat. Gleich sechs sind in Norwegen, je einer in Schweden und Dänemark unter Vertrag. Drei kicken in England, wobei Paul Staltieri (Tottenham) der bekannteste ist. Kevin McKenna hat als Abwehrspieler schon acht Tore für Energie Cottbus geschossen. Auf derzeit höchstem Niveau dieser Truppe agiert Verteidiger Mike Klukowski (FC Brügge), der zwar in der Champions League gegen Rapid wegen einer Verletzung gefehlt hatte, im UEFA-Cup aber gegen AS Roma (jeweils 1:2) dabei gewesen war.

Alter Bekannter

Mit dem Ex-Rapidler Ante Jazic kommt auch ein alter Bekannter ins Happel-Stadion. Er ist zwar derzeit vereinslos, wird aber mit den Metro Stars ins Verbindung gebracht. In den USA spielen drei Mann aus dem 18-Mann-Kader. Dort trugen sie auch ihr bisher letztes Länderspiel aus: am 22. Jänner kamen sie gegen den WM-Teilnehmer in San Diego zu einem beachtlichen 0:0 und waren dem Sieg fast näher als die Gastgeber. (APA)

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