G’riss um Chefposten in Seibersdorf

28. März 2006, 11:32
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Wissenschaftschef Erich Gornik könnte nach Gugging weggelobt werden

Wien - Ein echtes G’riss gibt es um die ein bis zwei Geschäftsführer-Posten, die in der Forschungsgruppe Seibersdorf zu vergeben sind. "Mehr als 120 Bewerbungen" sind bis zum Abgabeschluss vorigen Donnerstag bei Neo-Aufsichtsratschef Rainer Wieltsch eingelangt, darunter klingende Namen wie Martin Graf, Ex-Wissenschaftssprecher des freiheitlichen Parlamentsklubs.

Wie viele darunter Zählkandidaten sind, wird feststehen, wenn Egon Zehnder International dem sechsköpfigen Nominierungskomitee nächsten Montag eine Vorauswahl mit 20 bis 30 "echten" Kandidaten vorlegt.

Strategie

Um Hälfteeigentümer Industrie umzustimmen und neben dem wissenschaftlichen Geschäftsführer Erich Gornik doch noch einen Forschungs-Vertriebschef zu installieren, hat man sich beim staatlichen Hälfteeigentümer eine ganz besondere Strategie einfallen lassen: Man will Gornik einen Chefposten in der umstrittenen Exzellenz-Uni in Gugging schmackhaft machen. Ein Karrieresprung Gorniks käme den Eigentümervertretern insofern zupass, als so zwei Posten besetzt werden könnten, ohne den Zweiervorstand aufzublähen.

Dass Gornik anbeißt, muss allerdings bezweifelt werden, denn für einen Wittgenstein- Preisträger dürfte es aktuell nicht ganz einfach sein, wider die Vorbehalte seiner Preisträgerkollegen an der Gugging- Uni zu reüssieren. "Wegloben ist nicht aktuell", ließ der im Ausland weilende Gornik den Standard denn auch wissen.

Widerstand

Allerdings, fürchten jene im ARC-Aufsichtsrat, die den TU-Professor unbedingt in Seibersdorf halten wollen, könnte es mit Gorniks Widerstand rasch vorbei sein. Dann, wenn Martin Graf, auf den die Ausschreibung geradezu maßgeschneidert passt, zum Nachfolger von Helmut Krünes als kaufmännischer Chef bestellt wird. Hohe ARC-Funktionäre wollen wissen, dass Gornik diesfalls von sich aus ginge.

Für Graf spricht, dass die von ihm geführte ARC-Dienstleistungstochter Business Services 2005 besser da stand, als alle anderen Ausgründungen, die beim Umbau der Austrian Research Centers (ARC) in eine Holding entstanden sind. Wären die Preise, die Business Services ihren Schwestern Seibersdorf- und Systems Research und Nuclear Services verrechnet, nicht so hoch, stünde Grafs Bereich schlechter da, sagt ein ARC-Kapitalvertreter, "dafür aber alle anderen ARC-Ausgründungen besser." Dass dem nicht so ist, dafür sorgt der Kontrahierungszwang: Alle müssen bei Business Services kaufen und "marktübliche Preise" zahlen.

Noch ist es aber nicht so weit. Im Nominierungskomitee, dessen Empfehlungen unverbindlich sind, hofft man intensiv, positiv auf die Chefsuche einwirken zu können. Ob sich bei Noch-ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch, Mathias Reichhold (Magna), BMVIT- Sektionschef Andreas Reichhold, FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner, Berndorf-Chef Norbert Zimmermann und Böhler-Vorstand Knut Consemüller die Waage doch Richtung Infrastrukturministerium neigt, bleibt abzuwarten. (Luise Ungerboeck; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2006)

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