Militärs sollen sämtliche bewaffneten Zivilisten festnehmen - Vier Tote nach Granatenangriff - Lange Schlange vor Tankstellen
Bagdad - Zur Eindämmung der politisch und religiös
motivierten Gewalttaten hat die irakische Regierung in Teilen der
Hauptstadt Bagdad den Einsatz gepanzerter Einheiten angeordnet. Alle
bewaffneten Zivilisten "gleich welcher Partei oder Religion" sollten
festgenommen werden, erklärte General Abdelaziz Mohammed am Montag.
"Zum Schutz der Bürger"
Die Anordnung des Verteidigungsministeriums erfolge "zum Schutz der
Bürger" und sei "nicht gegen sie gerichtet", fügte der General hinzu.
Nach dem Anschlag auf die Goldene Moschee von Samarra, eines der
wichtigsten Heiligtümer der Schiiten, am vergangenen Mittwoch waren
bis zum Wochenende bis zu 200 Menschen getötet worden.
Der Einsatzbefehl gelte für alle Teile Bagdads, in denen die
Einheiten des Innenministeriums bisher nicht "präsent" gewesen seien,
sagte General Mohammed. Das Verteidigungsministerium habe angeordnet,
als "Zeichen der Einheit" überall "die irakische Flagge zu hissen".
Vier Tote nach Granatenangriff
Die Maßnahmen dienten dazu, den Bewohnern der Hauptstadt das Gefühl
von Sicherheit zurückzugeben. In Bagdad blieb es am Montag im
Vergleich zu den vorangegangenen Tagen zunächst eher ruhig.
Allerdings wurden vier Menschen getötet und 14 weitere verletzt, als
Unbekannte auf eine Verkaufsstelle von Heizöl im Norden der Stadt
Granaten warfen. Zahlreiche Schüler erschienen aus Angst vor neuen
Anschlägen nicht zum Unterricht.
Lange Schlange vor Tankstellen
Nachdem die umfassende Ausgangssperre und das ganztägige
Fahrverbot aufgehoben wurden, versorgten sich die Einwohner von
Bagdad mit Lebensmittel- und Benzinvorräten. An den Tankstellen
bildeten sich lange Schlangen. Für Bagdad sowie die drei
Nachbarprovinzen Diala, Babylon und Salaheddin blieb jedoch eine
nächtliche Ausgangssperre in Kraft. In Bakuba und Kirkuk im Norden
wurden nach Angaben der Polizei binnen 24 Stunden 30 mutmaßliche
Gewalttäter festgenommen. (APA)