EU-Kommission trauert um Eurostat-Chef Hanreich

16. März 2006, 15:53
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Günter Hanreich verstarb im Alter von 51 Jahren nach schwerer Krankheit - Schüssel kondoliert Familien

Brüssel - Der Chef des EU-Statistikamtes Eurostat, der Österreicher Günther Hanreich ist am Freitagabend nach schwerer Krankheit im Alter von 51 Jahren gestorben. Eurostat bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der "Kleinen Zeitung" und der "Oberösterreichischen Nachrichten". Der ausgewiesene Verkehrsexperte war im Dezember 2004 zum Generaldirektor des in Luxemburg beheimateten EU-Amtes für Statistik bestellt worden, um die damals ins Schussfeld der Kritik geratene EU-Institution wieder in ruhiges Fahrwasser zu leiten.

Hanreich, der an der Technischen Universität Wien Bauingenieur studierte, war Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre Sekretär bei den Ministern Ferdinand Lacina, Franz Kreuzer, Rudolf Streicher und Viktor Klima sowie Leiter der Sektion Verkehrspolitik und Straßenpolitik im Verkehrsministerium. Anfang 1996 wechselte Hanreich als Direktor für Landverkehr in die EU-Kommission. 2000 übernahm er in der EU-Kommission die Zuständigkeit für Energiefragen. Doch es hielt ihn dort nicht lange, er wechselte zurück in den Bereich Transeuropäische Netze.

Ranghöchster österreichischer Beamte in der EU

Seine Bestellung zum Eurostat-Chef und damit damals ranghöchsten österreichischen Beamten in der EU-Kommission verdankte der Opernliebhaber, der sich in Brüsseler Kreisen als Kabarettist einen Namen gemacht hat, nicht nur seiner fachlichen Kompetenz sondern auch seinen hervorragenden Manager- und Organisationsqualitäten, wie eine EU-Kommission-Sprecherin damals betonte. Eurostat hatte 2004 schwierige Zeiten hinter sich: Der früherer Generaldirektor Yves Franchet war wegen des Verdachts unsauberer Abrechnungen suspendiert worden, kurz darauf stellte sich heraus, dass Griechenland jahrelang unbemerkt falsche Zahlen nach Luxemburg gemeldet hatte.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sprach der Familie von Günter Hanreich in einer Aussendung sein Beileid aus: "Günther Hanreich war als Chef der EU-Statistikbehörde Eurostat ein Aushängeschild für Österreich. Ich möchte seiner Familie und seinen Freunden mein Mitgefühl für diesen Verlust aussprechen."

Schlüsselrolle bei Transitverhandlungen

Außenministerin Ursula Plassnik kondolierte ebenfalls der Familie und den Angehörigen: "Insbesondere seiner Gattin und seinen zwei Kindern möchte ich mein tief empfundenes Beileid aussprechen". Hanreich habe sich "besonders durch seine Erfahrung und seine umfassende Kenntnis in zahlreichen EU-Belangen" ausgezeichnet", so Plassnik in einer Aussendung.

Die Außenministerin erinnerte an die Schlüsselrolle, die Günter Hanreich bei den Transitverhandlungen spielte: "Er wurde zu Recht 'Architekt' des Transitvertrages genannt." Hanreich als Generaldirektor der EU-Statistikbehörde sei der ranghöchste österreichische EU-Beamte "und somit eine zentrale Persönlichkeit Österreichs in der Europäischen Union" gewesen.(APA)

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    Günther Hanreich wurde 51 Jahre alt.

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