Das Jahr der steigenden Zinsen

2. März 2006, 14:50
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Die erwartete Leitzinserhöhung der EZB auf 2,50 Prozent wird heuer nicht die letzte bleiben. Das bringt Sparern höhere Erträge und Kreditnehmern höhere Kosten

Frankfurt/Wien - Sparer haben Grund zur Freude, Kreditnehmer nicht: Wenn die Europäische Zentralbank am kommenden Donnerstag wie erwartet den Leitzinssatz von 2,25 auf 2,50 Prozent erhöht, dürfte auch das allgemeine Zinsniveau steigen. Denn die Finanzmärkte erwarten, dass es die Frankfurter Währungshüter nicht bei diesem einen Zinsschritt bleiben lassen. Für den Sommer oder Frühherbst wird bereits fix mit einer weiteren Anhebung auf 2,75 Prozent gerechnet. Auch ein Leitzinssatz von 3,0 Prozent zu Jahresende gilt als möglich.

Grund dafür ist die positive Konjunkturentwicklung in der Eurozone - vor allem der überraschende Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im Februar hat die Zentralbanker in ihrer Entschlossenheit zu einer härteren Zinspolitik bestätigt - sowie die Sorge, dass der immer noch hohe Ölpreis über Zweitrundeneffekte die Inflation anheizen könnte. In der EZB wird derzeit damit gerechnet, dass die Preissteigerung nicht nur heuer, sondern auch 2007 und 2008 knapp über dem Inflationsziel von 2,0 Prozent liegen wird, verlautete aus EZB-Kreisen.

Dazu kommt, dass selbst ein Leitzinssatz von 2,75 Prozent historisch niedrig ist und nach Einschätzung der EZB-Volkswirte immer noch leicht expansiv auf die Konjunktur wirken würde. Erst bei 3,0 Prozent hätte die Geldpolitik eine neutrale Position erreicht.

Steigende Sparzinsen

Deshalb dürfte sich der Aufwärtstrend bei Spar- und Kreditzinsen in den kommenden Wochen beschleunigen. Die Direktbank ING-Diba, mit 2,5 Prozent für täglich fälliges Geld derzeit der Preisführer bei Einlagen, hat eine Zinserhöhung auf 2,75 Prozent ab dem 1. März bereits angekündigt. Jene Banken die einen solchen Satz für eine Bindungsfrist von 12 Monaten (RLB Niederösterreich-Wien) oder 15 Monaten (Bank Austria Creditanstalt) bieten, dürften bald folgen.

Wie sich die Zinsen am längeren Ende entwickeln, hängt auch vom Geld- und Anleihemarkt ab. Aber auch dort haben sich zuletzt die Zinssätze befestigt, was Bankkunden immer mehr Möglichkeit gibt, in Verhandlungen mit ihrem Bankbetreuer höhere Einlagezinsen herauszuschlagen.

Kehrseite dieser Entwicklung sind steigende Kreditzinsen, die Eigenheimbesitzer und Gewerbetreibende zu spüren bekommen werden. Ein Schalterkredit über fünf Jahre ist derzeit noch für 4,125 Prozent (RLB NÖ-Wien) zu haben - aber nicht mehr lange.

Bereits zu Jahresende sind die Zinsen bei neu vereinbarten Spar- und Kreditverträgen als Folge der letzten EZB-Zinserhöhung gestiegen, berichtete die Österreichische Nationalbank am Freitag. Bei Unternehmenskrediten bis zu einer Mio. Euro stieg der Zinssatz im Dezember gegenüber September um 0,26 Prozentpunkte auf 3,67 Prozent, bei Volumen über einer Mio. Euro um 0,32 Prozentpunkte auf 3,15 Prozent. Bei neu vereinbarten Wohnbaukrediten stiegen die Zinsen um 0,16 Prozentpunkte auf 3,63 Prozent, Konsumkredite blieben mit 4,83 fast stabil. Verglichen mit dem Euroraum gab es in Österreich nach wie vor sehr niedrige Durchschnittszinssätze. Bei privaten Einlagen stiegen die kurzfristigen Zinssätze um 0,27 Prozentpunkte auf 2,19 Prozent (ein Jahr) bzw. 0,40 Punkte auf 2,37 Prozent (zwei Jahre). (Reuters, APA, ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.2.2006)

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