Head setzt auf Osteuropa-Geschäft

10. März 2006, 11:45
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Österreich-Chef des Sportartikelherstellers sieht keine negativen Auswirkungen der Doping-Affäre aufs Geschäft - Helme und Protektoren wachsender Geschäftsbereich

Wien - Der an der Wiener Börse notierte niederländische Sportartikelhersteller Head (Amsterdam) hat 2005 bei Alpinskiern und Bindungen absatzmäßig leicht verloren, bei Skischuhen und Snowboards hingegen zugelegt. Überdurchschnittliches Wachstumspotenzial ortet Head Österreich-Geschäftsführer Bob Koch in Osteuropa. Negative Auswirkungen der Doping-Affäre bei den Olympischen Winterspiele in Turin auf die österreichische Skiindustrie erwartet Koch nicht.

Investitionen in den Rennsport

"Wir glauben nicht, dass die Doping-Affäre wirtschaftliche Auswirkungen auf die österreichische Skiindustrie hat", sagte Koch am Montag. Die österreichischen Athleten hätten im übrigen hervorragend abgeschnitten, auch wenn die Spiele für die von Head ausgerüsteten Teilnehmer "nicht so glücklich" gelaufen seien. Head wolle aber dennoch weiterhin in den Rennsport investieren, und zwar mehr als bisher, betonte Koch.

Head hat 2005 weltweit 575.000 Paar Ski abgesetzt, was einem Rückgang von 3,5 Prozent gegenüber 2004 entspricht. Bei Skischuhen wurde ein Plus von acht Prozent auf 583.000 Paar verzeichnet. Der Absatz von Bindungen ging um sechs Prozent auf 1,53 Millionen Stück zurück, bei Snowboards wurde ein Plus von 1,5 Prozent auf 75.000 Stück verzeichnet. Ein stark wachsender Bereich neben den Skischuhen sind auch Protektoren und Helme, wo heuer mit einem 30-prozentigem Absatzplus gerechnet wird.

Aufschwung seit Jänner spürbar

Der österreichische Skimarkt sei von April bis Dezember 2005 mengenmäßig um vier Prozent und wertmäßig um elf Prozent zurückgegangen, seit Jänner sei aber dank der guten Schneelage ein Aufschwung spürbar, berichtete Koch. Für 2006 zeichne sich auch dank neuer Produkte ein Anknüpfen an die Rekordergebnisse von 2004 ab. Head setzt im Skibereich heuer vor allem auf die Frauen, bei Skischuhen wurde beispielsweise ein Modell mit einer speziell für Frauen entwickelten sehr leichten Außenschale entwickelt. Dass immer weniger Kinder Skifahren, sieht Koch als "kritische Entwicklung": "Es ist wichtig, dass der Nachwuchs nicht wegbricht". Dass Kinder in manchen Skigebieten gratis skifahren könnten, sei daher zu begrüßen.

Große Wachstumsmöglichkeiten für Head im Wintersportbereich sieht Koch vor allem in Osteuropa. Märkte wie Polen, Russland und die Ukraine habe man unterschätzt, hier sei in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Verdoppelung des Skiabsatzes möglich. In Osteuropa werden derzeit nach Head-Schätzungen 250.000 bis 300.000 des weltweiten Absatzes von 4,5 Mio. Paar Alpinski verkauft.

Stärkste Nachfrage bei Winterprodukten

48 Prozent des Head-Konzernumsatzes entfallen auf Winterprodukte, 36 Prozent Sommerprodukte, 16 Prozent auf Tauchprodukte. Vom Winterumsatz werden 18 Prozent mit Skiern erwirtschaftet, 14 Prozent mit Bindungen, elf Prozent mit Skischuhen und fünf Prozent mit Snowboards. In Österreich setzt Head 6 Prozent seines Konzernumsatzes um, wobei 88 Prozent auf den Wintersportbereich entfallen.

Die Head-Gruppe ist als einer der weltweit führenden Sportartikelhersteller u.a. mit den Marken Head (Tennis-, Squash- und Racketballschläger, Alpinski, Skischuhe, Snowboardausrüstungen, Sport- und Freizeitschuhe, Zubehör und Bekleidung), Penn (Tennis- und Racketbälle), Tyrolia (Skibindungen) und Mares/Dacor (Tauchausrüstungen) tätig und beschäftigt weltweit 2.400 Mitarbeiter, rund 850 davon in Österreich. In den österreichischen Werken in Kennelbach (Vorarlberg) und Schwechat bei Wien werden 100 Prozent der von Head hergestellten Skibindungen, 60 Prozent der Alpinski und ein kleiner Teil der Tennisrackets produziert, deren Produktion zu 90 Prozent nach China ausgelagert wurde.

Trendwende

Head hatte 2005 den Turnaround geschafft: Das Konzernergebnis drehte von einem Verlust von 36,9 Millionen Dollar 2004 auf acht Millionen Dollar (6,74 Mio. Euro) Überschuss. Der Nettoumsatz sank um 4,3 Prozent auf 446,9 Millionen Dollar. Der weltweite Marktanteil von Head bei Skischuhen liegt den Angaben zufolge bei 13 Prozent, bei Schuhen bei 15 Prozent und bei Bindungen bei 30 Prozent. (APA)

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