Kritik am Krisenmanagement der Regierung

3. März 2006, 07:27
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Ein Fünftel der Bevölkerung auf La Réunion von Infektionskrankheit betroffen - Premier sichert nun Millionenhilfe zu

Saint-Denis-de-la-Réunion - Nach heftiger Kritik am Krisenmanagement der französischen Regierung hat Premierminister Dominique de Villepin der von einer Tropenkrankheit geplagten Insel La Réunion insgesamt 91 Millionen Euro Hilfe zugesagt. Bei einem Besuch der zu Frankreich gehörenden Insel im Indischen Ozean versicherte Villepin am Sonntag, im Kampf gegen die von Moskitos übertragene Chikungunya-Infektion alle notwendigen Mittel einzusetzen, "um diese außergewöhnliche Krise zu überwinden".

Auf La Réunion haben sich seit Jänner mehr als 150.000 Menschen mit Chikungunya infiziert. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden stand die Virus-Infektion im Zusammenhang mit 77 Todesfällen. Sie verursacht neben Fieber und Ausschlag Schmerzen in Muskeln und Gliedern. Chikungunya bedeutet so viel wie "gebeugt laufen", viele Opfer können vor Schmerzen kaum noch aufrecht gehen. Bisher gibt es weder einen Impfstoff noch ein wirksames Heilmittel.

Epidemie vernachlässigt

Die oppositionellen Sozialisten haben der konservativen Regierung vorgeworfen, wegen der Bekämpfung der Vogelgrippe in Europa die Epidemie auf der Insel vernachlässigt zu haben. Villepin erklärte, der größte Teil der zusätzlichen 76 Millionen Euro solle in die wirtschaftliche Unterstützung der betroffenen Branchen fließen. Der Tourismus auf La Réunion ist derzeit stark rückläufig.

Der Präsident des Regionalrats, Paul Vergès, wies nach einem Gespräch mit dem Regierungschef darauf hin, dass 22 Prozent der Bevölkerung von La Réunion von der Krankheit betroffen seien. Dass entspreche zwölf Millionen Kranken auf dem französischen Festland. (APA/AP)

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