STANDARD-Interview: Wenn Lernen mobil macht

5. März 2006, 18:46
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Kommende Woche wird der Top Talent Award an die Neueinsteiger in der europäischen Multimediabranche vergeben. Peter Illetschko sprach mit Matthias Meisenberger, einem Sieger aus der Vergangenheit, über seine prämierte Mobile-Learning-Idee, Förderstrukturen und die Benutzbarkeit von Handys

STANDARD: Von welchen Ideen sind Sie bei der Entwicklung der Mobile Learning Engine ausgegangen?

Meisenberger: Die Idee kam eigentlich von meinem damaligen Diplomarbeitsbetreuer. Er bot mir eine Diplomarbeit an. Dabei sollte es um eine Evaluation der Sinnhaftigkeit bzw. der Umsetzbarkeit von Lernen am Mobiltelefon gehen. Im Zuge meiner Arbeit habe ich dann den Prototypen für das Lernen am Handy - die Mobile Learning Engine - entwickelt, mit dem ich den Kategorienpreis beim Top Talent Award gewann.

STANDARD: Wie haben Sie sich informiert, wo es im Bereich Mobile Learning Entwicklungsbedarf gab?

Meisenberger: Zum damaligen Zeitpunkt gab es keine Lösungen für multimedial computerunterstütztes Lernen und kaum sinnvolle theoretische Konzepte. Davon konnte ich mich bei der Messe Learntec 2004 überzeugen.

STANDARD: War es das nun oder entwickeln Sie ihr Tool weiter?

Meisenberger: Zurzeit arbeiten wir an einer öffentlichen Mobile-Learning-Plattform, mit der es möglich ist, über den Internetbrowser eigene mobile Lerneinheiten, also Vokabeltrainer, Karteikartentrainer, interaktive Lernspiele, ganz einfach und ohne technisches Vorwissen zu erstellen. Diese Lerneinheiten können dann über das Handy, auf dem unsere Software installiert ist, heruntergeladen und genutzt werden. Eine Testversion davon gibt es bereits, in ein bis zwei Monaten wird die Plattform fertig sein.

STANDARD: Welchen Stellenwert hat das Thema Benutzbarkeit bei dieser Arbeit?

Meisenberger: Einen großen. Die Frage ist, wie kann ich das Handy wirklich sinnvoll für den Informationszugriff und das Lernen nutzen? Das Mobiltelefon als reines Lesemedium zu nutzen - wie es viele andere Anwendungen tun - ist sicherlich nicht der optimale Weg. Das wäre nicht userfreundlich. Uns geht es um die Interaktion, denn es ist ja auch erwiesen, dass man so am leichtesten Inhalte behalten kann.

STANDARD: Ist eine Innovation wie diese eher der Alltag oder die Ausnahme?

Meisenberger: Sagen wir so: Es wird langsam immer mehr Alltag. Und langsam bewegt sich die Branche dabei von ausgefallenen technischen Funktionen hin zur Benutzbarkeit. Das Bewusstsein, was es braucht, um Innovationen am Markt durchzusetzen, wächst.

STANDARD: Haben Sie einen Wunsch an die öffentliche Hand, was passieren müsste, um die heimische Multimediabranche international noch besser zu etablieren?

Meisenberger: Vielleicht wäre es gut, mehr Kongresse und Messen durch Fördergelder möglich zu machen und zu organisieren. Weitere Wettbewerbe könnten auch hilfreich sein. Obwohl da schon viel gemacht wird.

STANDARD: Das kleine Österreich ist schon reich an Wettbewerben. Verliert man da nicht den Überblick, wenn noch mehr davon kommen?

Meisenberger: Mehr Wettbewerbe würden aber nicht schaden. Für Menschen mit Ideen und Businessplänen für eigene Firmen ist das willkommene Publicity - nicht mehr. Wer glaubt, dass er seine Firmengründung mit einem Preisgeld finanzieren kann, irrt gewaltig. Dazu gibt es Startförderungen - zum Beispiel von der Forschungsförderungsgesellschaft, Darlehen für die Betriebsansiedelung etc. etc.

STANDARD: Ist es sinnvoll, bei den Wettbewerben viele kreative Köpfe mit mittleren Summen zu unterstützen? Schafft man nicht mehr Qualität, wenn man wenige mit großen Summen belohnt?

Meisenberger: Dann entsteht vielleicht keine Vielfalt in der Branche - das wäre schade. Jeder, der eine gute Idee hat, sollte eine Chance bekommen. Der Markt soll entscheiden, wer größer wird.

STANDARD: Eine Zukunftsvision, was den heimischen Multimediamarkt betrifft. Haben Sie auch eine, wenn Sie an das Handy von morgen denken?

Meisenberger: Das Handy wird immer mehr unterschiedliche Funktionen vereinen, bis es nur noch ein mobiles Gerät für alles gibt. Der nächste Schritt sind dann Wearable Computers - mein Handy oder Computer ist bereits in meiner Kleidung integriert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2006)

  • Matthias Meisenberger
    foto: elibera

    Matthias Meisenberger

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