Impfen gegen Überempfindlichkeit

5. März 2006, 19:05
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Neues Christian-Doppler-Labor entwickelt Gentech-Spritze gegen Allergien

Die Augen brennen, die Nase rinnt, das Atmen fällt schwer: Beschwerden, die jeder Allergiker kennt. Sein Körper reagiert überempfindlich auf so genannte Allergene. Jene an sich ungefährlichen Substanzen etwa aus Pflanzenpollen, Hausstab und Nahrungsmitteln, die Betroffenen das Leben schwer machen und verschiedene Krankheitsbilder wie Heuschnupfen oder Asthma auslösen können.

Bisher wurden Allergien unter anderem mittels Immuntherapie mit natürlichen Allergenen behandelt. Dabei kam es allerdings häufig zu Nebenwirkungen. Forscher um Rudolf Valenta, den Leiter des Instituts für Pathophysiologie in Wien, das zu den international führenden Forschungsstätten auf diesem Gebiet zählt, haben die Wirksamkeit von genetisch veränderten Hypoallergenen auf den Krankheitsverlauf bei Birkenpollenallergikern beobachtet. Nach einer genauen Analyse der allergieauslösenden Substanzen entfernten die Forscher jene Anteile, die für Nebenwirkungen verantwortlich sind, und veränderten die neuen Moleküle gentechnisch so, dass sie einen besonders hohen Impfschutz ermöglichten.

Die Resultate waren viel versprechend. Es gab signifikante Verbesserungen bei getesteten Patienten. Ihre Ergebnisse könnten zur Entwicklung effektiverer Allergie-Impfungen führen und einst vielleicht sogar die prophylaktische Vakzination ermöglichen, so die Forscher.

Ein nun am Institut für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien (MUW) neu gegründetes Christian-Doppler-Labor (CD) für Allergieforschung wird unter der Leitung von Valenta mithilfe dieser neu entwickelten Technologie Impfstoffe herstellen, die auch bei schweren Allergieformen greifen sollen. Ersonnen wurde das Projekt von Valenta und der Wiener Biotechnologiefirma Biomay. Das ehrgeizige Ziel des Forscherteams ist es, "innerhalb der nächsten fünf Jahre Impfstoffe für die häufigsten Allergien herzustellen und diese bis zur klinischen Erprobung im Patienten weiterzuentwickeln", erklärt der Allergieforscher. Dies soll durch die Partnerschaft zwischen der MUW, Biomay und der CD-Gesellschaft erreicht werden. Ein Public Private Partnership somit. Denn die von der Wirtschaft bereitgestellten Mittel werden von der CD-Gesellschaft durch Förderungen der öffentlichen Hand verdoppelt. 500.000 € werden dem Labor so pro Jahr zur Verfügung gestellt, wie Laurenz Niel, der Generalsekretär der österreichischen CD-Gesellschaft, betont.

Während Hans-Georg Eichler, Vizerektor für Forschung an der MUW, seine Uni schon auf dem Weg zur Weltspitze in Sachen Allergieforschung sieht, kann sich Biomay, die einzige beteiligte Firma, bei einer eventuellen Markteinführung der Impfstoffe über satte Gewinne freuen. Immerhin leiden mehr als 25 Prozent der österreichischen Bevölkerung unter Immunglobolin E Antikörper vermittelten Allergien. Europaweit sind es sogar rund achtzig Millionen Menschen. Tendenz steigend. (max/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2006)

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