Eierlegende Wollmilchsau

5. März 2006, 19:05
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Werkstoffwissenschafter suchen den Alleskönner unter den Legierungen

"Es gibt einen ganzen Zoo an Legierungen, die auf den Markt kommen sollen. Die Hersteller wollen, dass die Außenhaut der Autos immer dünner und leichter wird, damit der Treibstoffverbrauch sinkt. Gleichzeitig müssen diese Bleche aber auch in einer Crashsituation viel Energie aufnehmen können, also physikalisch zäh sein." Der Werkstoffwissenschafter Christian Krempaszky erforscht, wie "hochleistungsfähige" Feinbleche aus Stahl erzeugt werden können, damit sie zwar so zart wie möglich, aber dennoch widerstandsfähig sind. Darüber hinaus sollten die Bleche absolut planparallel und ebenmäßig aus dem Walzwerk kommen. Um diesen Idealzustand zu erreichen, beschreibt Krempaszky gemeinsam mit seinen drei Mitarbeitern, wie die Anordnung der Gefügebestandteile in diesen idealen Blechen aussieht und durch welche Bearbeitungsschritte Störungen entstehen.

Als Leiter des Christian-Doppler-Laboratorium für Werkstoffmechanik von Hochleistungslegierungen an der Technischen Universität München kooperiert Krempaszky nicht nur mit der voestalpine, sondern auch mit Böhler Schmiedetechnik und Böhler-Uddeholm. Die Kernthemen sind: Walzen, mit denen Bleche geformt werden, leisten Schwerstarbeit, sie "erfahren eine gemeine Belastung, sowohl thermisch als auch mechanisch". Krempanszky nimmt industrielle Werkzeuge unter die Lupe, die gleichzeitig höchst präzise arbeiten und langlebig sein sollen. Durch Prognosen können Unternehmen ihre Walzen rechtzeitig nachschleifen, bevor ganze Metallbahnen durch fehlerhafte Oberflächen unbrauchbar werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Christian-Doppler-Labors in Garching bei München: "Turbinenscheiben aus Nickelbasislegierungen entwickeln nach dem Schmieden durch die Wärmebehandlung Eigenspannungen", weiß der Laborleiter. Diese Spannungen können gefährlich werden, denn sie führen u. a. dazu, dass sich die Flugzeugbauteile bei der weiteren Bearbeitung verziehen. Um Eigenspannungen besser messbar zu machen, vergleicht Krempaszky zwei Messmethoden: Er beschießt die Metallmischungen mit Neutronen und errechnet aufgrund des typischen Beugungsmusters die (ramponierte) Gitterstruktur oder bohrt die Teile an und misst die Verformungen mit einem neuartigen optischen Verfahren. (harl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2006)

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