Der Tierpark als Schutzzone

6. März 2006, 15:56
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Pfleger als "Michelin-Männchen" - Der Tiergarten Schloss Herberstein bleibt bis auf Weiters geschlossen

Der Tiergarten Schloss Herberstein bleibt bis auf Weiters geschlossen - aber nicht wegen seiner Winterpause. Ob er am 1. März, wie auf der Homepage angekündigt, aufsperren kann, ist fraglich. Denn Mitte Februar wurden dort fünf Moschusenten unter Quarantäne gestellt. Die verdächtigen Tiere hatten in der Feistritzklamm, ein frei zugängliches Naturschutzgebiet des Schlossgeländes, gerastet. Drei Wildvögel starben, einer war mit dem H5N1-Virus infiziert. Der Zoo wurde zur Vogelgrippe-Schutzzone.

Zum Zeitpunkt der daraufhin gesetzlich verordneten Sperre liefen die Wasservögel schon nicht mehr frei herum. Nach Auftreten des H5N1-Falles "sind bei uns dann die Notfallpläne in Kraft getreten", erklärt Direktor Andreas Kaufmann. So ließ er bis auf eine alle Zufahrten in den 45 Hektar großen Park schließen. Die Tierpfleger gehen eingemummt wie "Michelin-Männchen" in die Ställe. Für jeden Stall gebe es eigene Arbeitskleider, die nach einmaligem Tragen desinfiziert oder entsorgt werden. "Das Personal ist auch auf das Virus getestet worden", erklärt Kaufmann die Sicherheitsmaßnahmen.

Fäkalienabstriche

Jene zwei Moschusenten, die noch in Quarantäne waren, seien vorsichtshalber getötet worden. Bei ihnen konnte H5N1 aber nicht nachgewiesen werden. Zudem wurden von den 80 Tierpark-Wasservögeln Fäkalienabstriche genommen. Diese Testergebnisse müssen abgewartet werden, dann könne man über die weitere Vorgehensweise im Zoo entscheiden, sagt der steirische Landesveterinärdirektor Peter Wagner.

Zur Vorsorge wurde auch im Tierpark der Stadt Haag (Niederösterreich) über Flamingos und Bronzeputen eine Stallpflicht verhängt. Das eigentliche Problem in dem im Wald gelegenen Gehege mit drei großen Teichen seien aber die Wildvögel, die sich dort für eine Zwischenstopp niederlassen, meint der kaufmännische Leiter Gottfried Schwaiger. "Gegen das Einschleppen des Virus in den Park sind wir machtlos", sagt er. Bisher sei den Tierpflegern noch kein toter oder kranker Vogel aufgefallen, aber außer ständigen Kontrollgängen könne derzeit nichts unternommen werden. "Ein Abschießen der Wildtiere muss von der Bezirkshauptmannschaft angeordnet werden", erklärt Schwaiger.

Seuchenteppich

Im Tiergarten Schönbrunn wurden indes die Hygienemaßnahmen erhöht. Die Tierpfleger müssen beim Hineingehen und Verlassen der Käfige über einen Seuchenteppich. "Damit kein Kot in das Freigelände kommt", ergänzt Schönbrunns Veterinärmediziner Thomas Voracek. Grund zur Panik gebe es (noch) nicht. Selbst Direktor Kaufmann vom Tierpark Herberstein warnt vor Hysterie: "Von den fünf Moschusenten, die in der Feistritzklamm gefunden wurden, hatte letztendlich nur eine die Vogelgrippe, die anderen Tiere haben sich nicht angesteckt, obwohl sie mit dem infizierten Vogel längere Zeit zusammen waren." (Kerstin Scheller/DER STANDARD; Printausgabe, 27.2.2006)

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