Vogelgrippe am Bodensee

2. März 2006, 16:57
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Die auch für Menschen gefährliche Form des Virus breitet sich in Europa immer weiter aus - H5N1 in französischer Putenzucht

Auf Schweizer Seite wurden am Sonntag die ersten Fälle bekannt - am deutschen Ufer bereits am Samstag. In Frankreich hat das aggressive H5N1-Virus eine Truthahnzucht heimgesucht - 400 Tiere starben an Grippe, 11.000 von Menschenhand.

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Bern/Stuttgart/Paris - Die Vogelgrippe hat laut der Regierung in Bern nun auch die Schweiz erreicht: In der Region Genf und in Stein am Rhein am Bodensee habe es positive Tests gegeben.

Auch auf der deutschen Seite am Bodensee wurden am Sonntag zwei weitere Vogelgrippefälle bekannt: Zwei Enten, die im Kreis Konstanz in Baden-Württemberg gefunden worden waren, hatten positive Testergebnisse. Das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems untersuchte Sonntagnachmittag, ob es sich bei dem Virus um den hoch aggressiven Typ H5N1/Asia handelt oder um die schwächere Variante. Der auch für Menschen gefährliche Virustyp H5N1/ Asia war bereits am Samstag bei einer Tafelente aus Überlingen am Bodensee entdeckt worden.

In Deutschland war am Wochenende neben Baden-Württemberg auch erstmals das Bundesland Brandenburg betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Zahl der Wildvögel, die an der auch für den Menschen gefährlichen Variante des Virus starben, am Samstag um drei auf 114. Zur Suche nach toten Vögeln wurden Polizeihubschrauber, Wasserschutzpolizei und Feuerwehrleute an Land eingesetzt.

In Schleswig-Holstein gibt es bei den zwei mit Vogelgrippe infizierten Wildenten noch keine Gewissheit, dass es sich um die gefährliche Erregerart handelt. Die Ergebnisse werden Mitte der Woche erwartet. Sperrzonen wurden um die Fundorte Timmendorfer Strand und den Marinestützpunkt Neustadt angeordnet.

H5N1 in Putenzucht

In Frankreich war es am Samstag Gewissheit: Die aggressive Form der Vogelgrippe hat erstmals in der EU Nutzgeflügel befallen. Der Erreger H5N1/Asia tötete in einer Truthahnzucht in Ostfrankreich 400 Tiere. Auf dem Hof in Versailleux im Département Ain wurden alle rund 11.000 Tiere im Stall getötet. Fünf Mitarbeiter wurden vorbeugend medizinisch behandelt, die Gebäude desinfiziert.

Der Hof liegt in der Sicherheitszone um den Fundplatz der ersten in Frankreich infizierten Wildente. Das Département Ain ist für seine Bresse-Hühner berühmt. Der Züchterverband vermutet, die Vögel seien über Stroh infiziert worden, das mit Wildentenkot verdreckt gewesen sei.

Der französische Präsident Jaques Chirac aß am Samstag auf einer Agrarmesse demonstrativ ein Huhn und ein Ei aus der betroffen Region Bresse. Chirac erklärte, dass für den Verbraucher "absolut keine Gefahr von Geflügel und Eiern" ausgehe.

Der Präsident der österreichischen Landwirtschaftskammer Rudolf Schwarzböck betonte am Sonntag in der ORF-"Pressestunde", die Kammer sei gegen präventive Impfungen von Geflügel. Bei immunisierten Hühnern könne man nicht mehr nachvollziehen, wo das Virus grassiert und woher es kommt. Man solle auch keine Horrorszenarien entwerfen: "Es macht keinen Sinn, über Situationen zu reden, solange sie nicht eingetreten sind." (red/DER STANDARD; Printausgabe, 27.2.2006)

  • Vogelgrippe am Bodensee: Ein Mitarbeiter der Gemeinde Unteruhldingen birgt einen toten Vogel.
    foto: epa

    Vogelgrippe am Bodensee: Ein Mitarbeiter der Gemeinde Unteruhldingen birgt einen toten Vogel.

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