Chinas gespaltene Kirche hofft auf neuen Kardinal

2. März 2006, 14:45
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Peking warnt vor politischer Einmischung

Christen in der Volksrepublik China - aus der Rom-treuen Untergrundkirche ebenso wie der offiziellen katholischen Staatskirche - feierten am Sonntag landesweit mit stillen Dankgebeten die Berufung des Hongkonger Bischofs Joseph Zen Ze-kiuns (73) zum Kardinal. Viele Gläubige erhoffen sich von "unserem ersten chinesischen Kardinal" eine Aussöhnung in ihrer gespaltenen Kirche. Bereits 2005 hatte sich der Hongkonger Bischof optimistisch über eine Überwindung des Schisma geäußert. Zen sagte nun, dass er als Kardinal einen "formellen und konstruktiven Dialog" für eine Normalisierung der Beziehungen initiieren möchte.

Die Kirchenführung der staatstreuen "Katholischen Patriotischen Vereinigung" Chinas hält sich aber noch bedeckt. Persönlich begrüße er die Ernennung Zens, einen offiziellen Glückwunsch oder eine formelle Einladung werde er aber erst aussprechen, "wenn wir wissen, was er als Kardinal tun wird. Die Ansichten dazu sind bei uns gespalten," sagte Anthony Liu Bainian, Vizevorsitzender der staatlichen Kirche, zum STANDARD.

Zen hatte seit 1996 von Hongkong aus Chinas Parteiherrschaft und ihre Unterdrückung der Kirche kritisiert. Nach seiner Berufung 2002 zum Erzbischof unterstützte er die Demokratiebewegung noch stärker.

Warnung an Kardinal

Inzwischen hat das Pekinger Außenministerium den neuen Kardinal davor gewarnt, sich in Chinas Politik einzumischen. Kirchenführer Liu Bainian rät ihm "nach dem Vers von Matthäus zu handeln und dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist". China verlange vom Vatikan nicht nur, dass er seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan beendet. Pekings Regierung stelle auch die Bedingung: "Es darf nicht zu osteuropäischen Verhältnissen kommen." (DER STANDARD, Printausgabe, 27.02.2006)

Von Johnny Erling aus Peking
  • Wartet ab und warnt: Staatskirchenvertreter Liu Bainian.
    foto: der standard/erling

    Wartet ab und warnt: Staatskirchenvertreter Liu Bainian.

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    Will als Kardinal Dialog forcieren: Hongkongs Joseph Zen.

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