Eine Frage der Förderung

26. Februar 2006, 20:34
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Noch zu wenige ArbeitnehmerInnen wissen ausreichend über Fördermöglichkeiten von Weiterbildung Bescheid

Lebenslanges Lernen ist ein Schlagwort, das aus dem Berufsleben nicht mehr wegzudenken ist. Dass ständige Weiterbildung unerlässlich geworden ist, weiß mittlerweile ein Großteil der ArbeitnehmerInnen: Laut einer aktuellen Studie der Arbeiterkammer zu Weiterbildung in Österreich glauben 88 Prozent, dass man ohne sie kaum noch Chancen im Berufsleben hat. 90 Prozent der Befragten - rund 3600 Erwerbsfähige zwischen 18 und 60 Jahren - sind der Meinung, dass Weiterbildung auch für ältere Menschen immer wichtiger wird.

"Trotzdem ist die private Weiterbildung rückläufig", bemängelt Michael Tölle von der Arbeiterkammer Wien. "Hat 2003 noch jeder sechste Arbeitnehmer Kurse und Seminare außerhalb des Betriebs besucht, so war es 2005 nur mehr jeder achte." Hauptgrund dafür sei das Geld: "Zum einen ist das Leben teurer geworden, zum anderen werden auch die Weiterbildungsmaßnahmen teurer. Wer nicht sicher ist, ob ihm ein bestimmter Kurs oder ein Seminar im Job etwas bringt, überlegt es sich gut, ob er oder sie wirklich darin investieren will."

Entscheidungshilfe

Eine Entscheidungshilfe können die zahlreichen Weiterbildungsförderungen sein, die für die unterschiedlichsten Bereiche angeboten werden. "Sie sind in Österreich in allen Bundesländern anders geregelt und meist kleine Zuschüsse vom Land", weiß AK-Bildungsexpertin Eva Braun. "Eine einheitliche bundesweite Weiterbildungs-Förderung für Beschäftigte gibt es leider nicht." Manche Förderungen seien höher, manche niedriger, im Durchschnitt würden zwischen 200 und 300 Euro zugeschossen. "Es ist gut, dass es das gibt – aber diese Fördersummen sind bei weitem zu gering", kritisiert Braun. "Für einen einfachen Sprach- oder EDV-Kurs reicht es in der Regel, eine Umschulung oder etwa eine anspruchsvolle technische Weiterbildung ist damit meist nicht finanzierbar."

Auch die ArbeitnehmerInnen würden sich hier laut AK-Studie mehr Unterstützung wünschen: 91 Prozent ist es wichtig, dass auch der Staat die Weiterbildung fördert, 62 Prozent wollen eine gemeinsame Finanzierung der Weiterbildung von Arbeitgeber, Bund/Land und ArbeitnehmerInnen, maßgeblich getragen von Betrieben und Staat. 65 Prozent treten für eine einkommensabhängige Förderung ein, 32 Prozent für eine fixe, einkommensunabhängige Förderung.

Information ist die halbe Förderung

Von den 13 Prozent der ArbeitnehmerInnen, die sich 2005 privat weitergebildet haben, haben 32 Prozent eine Förderung erhalten. Ein großer Prozentsatz weiß aber gar nicht, dass und wo es überall Unterstützung zu holen gibt: Rund 40 Prozent der Personen, die für ihre Weiterbildung keine Förderung erhalten haben, gaben an, nicht oder nicht ausreichend über Fördermöglichkeiten informiert gewesen zu sein. 30 Prozent davon meinten sogar, nicht einmal daran gedacht zu haben. "Dabei ist das wirklich kein großer Aufwand", sagt Berufs-, Bildungs- und Förderungsberater Franz Stadler vom WIFI Wien. "Mit ein bisschen "Klick" erfährt man im Internet schnell die richtigen Ansprechstellen und ein Telefonanruf kostet vielleicht ein paar Cent – das macht die erhaltene Förderung dann allemal wieder wett." Natürlich käme es hier zunächst sehr auf Eigeninitiative an – viele Menschen ließen sich aber schon bevor sie nur ans Informieren denken von politischen Meldungen abschrecken: "Die Leute hören im Fernsehen von der ‚eisigen sozialen Kälte’ und denken: ‚Da gibt es ja sowieso keine Förderung für mich’ – ein Irrglaube, den es auszuräumen gilt."

Weniger Bildung – weniger Weiterbildung

Mangelnde Weiterbildung habe aber nicht ausschließlich mit Geld, sondern auch mit Motivation zu tun – und hier gibt es große Unterschiede in Funktion und Ausbildung, weiß Eva Braun: "Diejenigen, die ohnehin schon gut qualifiziert sind, sind am motiviertesten und auch gut informiert." Das bestätigt auch die Studie: Von den Personen mit Pflichtschulabschluss haben 14 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer sich weitergebildet, bei den AkademikerInnen waren es 51 bzw. 30 Prozent.

Interessant ist weiters, dass Frauen die Bedeutung des Themas Weiterbildung für die berufliche Entwicklung laut Studie stärker bewusst zu sein scheint: Generell forderten Frauen in noch größerem Ausmaß als Männer sowohl das Recht auf Bildungskarenz, als auch das Recht auf Weiterbildung innerhalb der Arbeitszeit (eine Woche pro Jahr) ein. Bei den Frauen bis 40 Jahre ist diese Forderung am stärksten ausgeprägt. (isa)

Einen guten Überblick über Förderungsmöglichkeiten für Weiterbildung geben u.a. die Webseiten vieler Bildungsinstitutionen (siehe Info linke Spalte).

  • Information ist die halbe Förderung - dazu ist Eigeninitiative gefragt
    foto: photodisc

    Information ist die halbe Förderung - dazu ist Eigeninitiative gefragt

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