Interview: IOC-Vizepräsident Bach

26. Februar 2006, 18:49
12 Postings

Thomas Bach leitet jene Kommission, die die Vorfälle klären soll - Christian Hackl sprach mit dem deutschen Sportfunktionär

IOC-Vizepräsident Thomas Bach leitet jene Kommision, die die Vorfälle rund um die österreichischen Langläufer und Biathleten aufklären soll.

Standard: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bezichtigt das IOC des Rufmordes. Bach: Ich ersuche um Mäßigung. Die Kommission ist um Ausgewogenheit bemüht. Als Vorsitzender bin ich nach allen Seiten offen.

Standard: Die zehn Urintests waren negativ. Gibt es einen Dopingfall bei den österreichischen Langläufern und Biathleten oder nicht? Bach: Das wollen wir klären. Es geht darum, die Umstände, die zum Erscheinen des Herrn Walter Mayer geführt haben, zu durchleuchten.

Standard: Haben Sie sich eine Frist gesetzt? Bach: Nein. Sorgfalt geht vor Eile. Die nächsten Winterspiele finden in vier Jahren statt. Wir warten einmal den Bericht der italienischen Behörden ab, die sind kooperativ, stellen uns sämtliche Unterlagen zu Verfügung. Dann überlegen wir auch, wie die Zusammenarbeit mit der österreichischen Untersuchungskommission aussehen soll.

Standard: Mayers Anwalt möchte Ihren Boss, IOC-Präsident Jacques Rogge, wegen Rufschädigung klagen. Bach: (lacht auf) Was soll ich dazu sagen, Sie müssen mich verstehen, kein Kommentar.

Standard: Wäre Mayer daheim geblieben, hätte es dann auch die Razzien gegeben? Bach: Das ist und bleibt reine Spekulation.

Standard: Die Sportler beschwerten sich, dass sie wie Schwerverbrecher abgeführt wurden. Haben Sie diese Bilder gestört? Bach: Nein. Die Athleten müssen kapieren, dass wir sie entkriminalisieren wollen. Es geht ums Umfeld, in dem sie leben. Vor dem muss man sie in manchen Fällen schützen. Wir sind über jeden negativen Dopingtest froh. Unsere Sprachregelung ist halt ein Problem. Wir sagen negativ, dabei ist das etwas sehr Positives. Wir drücken unser Freude völlig falsch aus.

Standard: Ist der Kampf gegen das Doping zu gewinnen? Bach: Wir stehen im IOC mit unserer strikten Haltung sicher nicht schlecht da. Das Prinzip der Abschreckung hat seine Wirkung nicht verfehlt. Das Netz wird seit 2002 immer engmaschiger.

Standard: Könnten die Vorfälle in Turin negative Auswirkungen auf die Bewerbung von Salzburg für die Winterspiele 2014 haben? In Österreich wird das befürchtet. Bach: Da kann ich beruhigen, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Als Vorsitzender der Disziplinarkommission ist das für mich kein Thema.

Standard: Sie haben in den nächsten Wochen das Glück, von österreichischen Medien über den Stand der Ermittlungen ausgefragt zu werden? Bach: Und Sie haben das Glück, dass ich erst Auskunft geben werde, wenn der Fall abgeschlossen ist und wir ein Ergebnis vorliegen haben.

Standard: Haben Ihnen die Turiner Spiele gefallen? Bach: Offiziell soll das Rogge beantworten. Privat habe ich mich über exzellente Wettkämpfe und viele knappe Entscheidungen gefreut. (DER STANDARD Printausgabe 27.02.2006)

Zur Person:

Wirtschaftsanwalt Thomas Bach (52) stammt aus Würzburg, er war 1976 Olympiasieger im Florett-Fechten. Seit 1991 ist er IOC-Mitglied, 2000 wurde er Vizepräsident. Sein Aufgabengebiet ist der Kampf gegen Doping. Bach ist nun Vorsitzender der Disziplinar-Kommission. Gemeinsam mit Denis Oswald (SUI) und Sergej Bubka (UKR) soll er die Vorfälle um die ÖSV-Biathleten und -Langläufer untersuchen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Thomas Bach

Share if you care.