"... und das ist ein Wunder"

3. März 2006, 23:01
12 Postings

Der österreichische Filmemacher Hubert Sauper erhielt den "César" für "Darwin's Nightmare"

Paris - Eine Kategorie "Bester Dokumentarfilm" gibt es beim französischen Pendant zum "Oscar", dem "César" zwar nicht. Dennoch durfte sich der österreichische Dokumentarist Hubert Sauper am vergangenen Samstagabend freuen: Für Darwin's Nightmare erhielt er die renommierte Auszeichnung für den "besten Debütfilm", und setzte sich dabei auch gegen das Tierdrama Reise der Pinguine von Luc Jacquet durch, das mit ihm am kommenden Sonntag um den Oscar für die beste Dokumentation konkurriert.

Debütfilm?

"Debütfilm" bedeutete im Fall Saupers, der schon vorher filmisch tätig war, im Übrigen: Erster regulärer Filmstart in Frankreich. Eine halbe Million Zuschauer haben dort seinen globalisierungskritischen Film über Lebensmittel- und Waffenpolitik in Afrika gesehen - und regen Anteil an den Debatten genommen, die Darwin's Nightmare provozierte. So wurde ihm zuletzt in der von Claude Lanzmann herausgegebenen Zeitschrift Les Temps Modernes Einseitigkeit und Manipulation mit falschen Fakten vorgeworfen.

"Sehr bewegt" nahm der Sauper, der seit rund einem Jahrzehnt in Frankreich lebt, im Pariser Théâtre du Châtelet die Trophäe entgegen. Er widmete sie "jenem Mann oder jener Frau, die in Mosambik, im Kongo oder in Tansania das Metall ausgegraben haben, aus dem diese Skulptur gemacht ist. Ich widme diesen Preis jener Hälfte der Menschheit, die man nicht sieht oder sehen will oder sehen kann. Das Kino kann das vermitteln, und das ist ein Wunder."

Der große Sieger des Abends und "bester französischer Film des Jahres" wurde das Drama Der wilde Schlag meines Herzens von Jacques Audiard, das insgesamt acht Auszeichnungen erhielt. Der österreichische Regisseur Michael Haneke ging mit seinem Film Caché, der in den Kategorien beste Regie, bestes Originaldrehbuch, beste Neben-und Nachwuchsdarsteller nominiert war, bei der Verleihung des "französischen Oscars" hingegen leer aus.

Der Preis der besten Hauptdarstellerin ging an Nathalie Baye für ihre schauspielerische Leistung in dem Polizistenfilm Der kleine Leutnant. Damit gehört die Schauspielerin, zusammen mit Cathérine Deneuve, zu den wenigen, die zweimal mit diesem Preis ausgezeichnet wurden. Den ersten César für die beste Schauspielerin erhielt Baye vor 23 Jahren. Der Preis für den besten Schauspieler ging an den 80-jährigen Michel Bouquet für seine Rolle in dem Film Der späte Mitterrand.

Wieder Eastwood

Der César für den besten ausländischen Film ging an Clint Eastwoods Boxer-Melodram "Million Dollar Baby". Die Ehren-Césars gingen an den französischen Schauspieler Pierre Richard und den englischen Star Hugh Grant.

Die Veranstaltung, die dieses Jahr zum 31. Mal stattfand, wurde übrigens durch eine Protestbewegung gestört, die gegen die Reform der Arbeitslosenversicherung der künstlerischen Mitarbeiter mit Zeitverträgen kämpft. Die Zeremonie konnte deshalb erst zwanzig Minuten später anfangen. Aus Protest gegen diese Reform wurden schon vor drei Jahren die Sommerfestivals in Avignon und Aix bestreikt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine halbe Million Zuseher in Frankreich und jetzt der "César": Hubert Sauper

Share if you care.