Autor verkaufte Romanfigur im Internet: Kritik "absurd"

21. März 2006, 18:31
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Österreichischer Künstler als Auktionssieger "macht sich jetzt richtig Arbeit"

Der Autor Alban Nikolai Herbst wehrt sich gegen Kritik an der Versteigerung seiner Romanfigur im Internetauktionshaus eBay. Der Berliner Schriftsteller hatte die Rolle in seinem Buch "Argo.Anderswelt" kürzlich für 645 Euro an einen österreichischen Künstler verkauft. Er habe diesen Schritt aus finanzieller Not getan, sagte Herbst jetzt in einem dpa-Gespräch. Vorwürfe von Kritikern, er habe sich am "Ausverkauf der deutschen Gegenwartsliteratur" beteiligt, bezeichnete der Autor als "absurd".

Muffensausen

Die Anregung, eine Romanfigur zu versteigern, entstamme einer Leserin seiner Internetseite. Zum Abschluss der Versteigerung habe er allerdings um seine künstlerische Freiheit gebangt: "Anderthalb Stunden vor Ende der Auktion kriegte ich Muffensausen", gab Herbst zu. Vorher hatte er noch angekündigt, ein Gebot über 1000 Euro mit einer Hauptrolle zu belohnen. Über das Höchstgebot von 645 Euro sei er schließlich erleichtert gewesen.

"Vergleichsweise einfache Aufgabe"

Gefallen habe ihm, dass ein Berufskollege den Zuschlag für die Romanrolle erhalten habe: Der in Wien lebende Autor E. A. Richter, früher Herausgeber der österreichischen Literaturzeitschrift "Wespennest". Das Einbauen eines Sparkassenleiters wäre ihm sicher schwer gefallen, meinte Herbst. Aber "einem Künstler eine Rolle in 'Argo' zu schreiben, wird eine vergleichsweise einfache, weil gegenseitig verständige Arbeit sein", schrieb er auf seiner Internetseite.

600 Seiten Rohmaterial

Eine erste Erwähnung hat der Meistbietende als "der alte EA Richter" im neuen Manuskript bereits gefunden. Bevor Richter aber weitere Wünsche zu der Gestaltung seiner Rolle äußere, wolle sich dieser in das vorliegende über 600 Seiten starke Rohmaterial und die zuvor erschienen zwei Bände "Thetis.Anderswelt" (1998) und "Buenos Aires. Anderswelt" (2001) der Trilogie einlesen. "Er macht sich jetzt richtig Arbeit", sagte Herbst.

Roman verboten

Der studierte Philosoph Herbst heißt mit richtigem Namen Alexander von Ribbentrop. Er ist 1955 geboren und hat auch schon als Börsenbroker gearbeitet. Ein früherer Roman ("Meere", 2003) wurde verboten, nachdem sich eine darin beschriebene ehemalige Lebensgefährtin in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gesehen hatte.(APA/dpa)

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