Ex-Geheimdienstoffizier als Mafioso verurteilt

3. März 2006, 09:43
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Berufungsgericht in Palermo bestätigte zehnjährige Haftstrafe

Rom - Der frühere italienische Geheimdienstoffizier Bruno Contrada ist von einem Berufungsgericht in Palermo zu zehn Jahren Haft wegen Zugehörigkeit zur Mafia verurteilt worden. Die Berufungsrichter bestätigten das erstinstanzliche Urteil, das 1996 gefällt worden war, berichteten italienische Zeitungen am Sonntag. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Contrada, der zuletzt die Nummer drei im zivilen Geheimdienst SISDE gewesen war, die Cosa Nostra unterstützt und die Flucht wichtiger Mafiabosse begünstigt habe.

Contrada hatte bis zu seiner spektakulären Verhaftung im Dezember 1992 fast zwei Jahrzehnte lang als einer der prominentesten Mafiajäger gegolten. Er selbst beteuerte noch in seinem Schlussplädoyer seine Unschuld und sprach von einem Rachekomplott gegen ihn.

Riina gedeckt

Nach Überzeugung des Gerichts deckte Contrada unter anderem den "Boss der Bosse", Salvatore "Toto" Riina, während dessen langer Zeit im Untergrund. Außerdem habe der frühere Chef der Kriminalpolizei in Westsizilien enge Kontakte mit dem "Paten" Rosario Riccobone unterhalten. Die Vorwürfe stützen sich auf Aussagen von sieben Kronzeugen.

Nach der Verurteilung 1996 war Contrada zweitinstanzlich im Mai 2001 freigesprochen worden. Die Richter hatten die Vorwürfe der Kronzeugen für nicht glaubwürdig betrachtet . Im Dezember 2002 hatte das Kassationsgericht, die oberste Instanz im italienischen Strafsystem, jedoch den Freispruch annulliert und den Beginn eines neuen Prozesses gefordert. (APA)

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