"Frauenförderung ist eine Haltung im Unternehmen"

24. Februar 2006, 21:25
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Über die Wirksamkeit von Frauenförderprogrammen, die Hürden und die noch lange nicht erreichten Ziele, diskutierte eine prominente Runde im IT Salon Pour Elle

Leistung bringen soll Spaß machen, Vorbilder sollen Mut machen, Netzwerke sollen stärken, Aktivität in Politik und Wirtschaft soll die adäquate Teilhabe der Frauen im Erwerbsleben voran bringen. Das war der gemeinsame Nenner einer Podiumsdiskussion im Haus der Telekom Austria, veranstaltet vom "IT Salon Pour Elle".

Beim Benennen der Hürden für Frauen kam wenig Neues. Ja, es gebe weit reichende Mängel in Angebot und Flexibilität der Kinderbetreuung, und: Ja, ein Land, das seine Fertilitätsrate steigern wolle (Österreich liegt derzeit bei rund 1,4), müsse den Eltern adäquate Unterstützung bieten. Dass auch das gesellschaftliche Klima für Frauen, die Job und Familie vereinbaren wollen, noch hinderlich sei, wurde ebenfalls nicht bestritten.

"Managen von Unterschieden"

Einig die DiskutantInnen, neben Frauenministerin Maria Rauch-Kallat waren das Marion Maurer, Personalchefin der Xerox, Brigitte Fila, in der IBM-Consultingsparte für die öffentliche Verwaltung verantwortlich, Gastgeber Hans-Peter Oehl, Personalchef der Telekom und Guido Unterberger, Human Resources-Verantwortlicher des Biotech-Börsenunternehmens Intercell: Es geht um Vielfalt. Es geht um die jeweils adäquate Förderung von Frauen, aber auch von Männern, es geht um das Managen von Unterschieden. Ob das "Frauenförderung" heißen müsse, blieb umstritten. Rauch-Kallat im Gegensatz zu den Personalisten: "Benamsungen schaffen ein Bewustsein".

Xerox, so Maurer, habe in Österreich 43 Prozent Frauen in Führungspositionen, 45 Prozent im mittleren Management. Maurer: "Wir sehen das als Haltung im Unternehmen, die entsprechende Bedingungen schafft. Das zieht Frauen an." Die Telekom Austria hat umfangreiche Frauenförderprogramme laufen, lässt sich diese auch fördern (fForte), achtet bei (den geringen) Neueinstellungen auf möglichst viele Frauen. "Wir wollen Genderkompetenz im Unternehmen", sagt Oehl. Vor allem in Führungspositionen ist der Konzern aber von der angestrebten Vielfalt weit entfernt. "Da hätten wir auch Ideen, was die Eigentümer, die ÖIAG, betrifft", so Oehl zur Ministerin.

IBM, im Vorjahr mit dem Business-Mentoring-Preis Mentora 2005 ausgezeichnet, beschreitet aktiv ihre Wege. Angesetzt wird auch in Schulen, im aktiven Transport der noch fehlenden Berufsbilder für Mädchen in technischen Berufen.

Intercell-Personalist Guido Unterberger hat 70 Prozent Frauen im Unternehmen mit gesamt 140 Mitarbeitern. Vielfalt und die Entwicklung der Kompetenzen, die gebraucht werden, sind seine Devise. Dies bei größtmöglichem Flexibilitätsangebot, vor allem für die Forschenden. (red, DER STANDARD, Print, 25./26.2.2006)

  • Von links: Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, Telekom- 
Personalchef Hans-Peter Oehl, Moderatorin Karin Bauer, Brigitte Fila IBM), Guido Unterberger (Intercell) und Xerox- 
Personalistin Marion Maurer.
    foto: standard/christian fischer
    Von links: Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, Telekom- Personalchef Hans-Peter Oehl, Moderatorin Karin Bauer, Brigitte Fila IBM), Guido Unterberger (Intercell) und Xerox- Personalistin Marion Maurer.
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