Koketter Apfel-Birne-Vergleich

26. Februar 2006, 19:35
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Der Rosenball im Volksgarten als Alternative zum Opernball

Es ist reichlich kokett, sich als Alternative zum Opernball zu gerieren. Aber das gehört zum Spiel. Schließlich ist Koketterie ein Wesenszug jener Veranstaltung, zu der Miss Candy - Wiens regierende Dragqueen - am Opernballtag mittlerweile so traditionell lädt, wie im Haus am Ring das Kommando "Alles Walzer" ertönt - wobei "Haus am Ring" nicht mehr wirklich präzise definiert, wovon die Rede ist, fand doch der "Rosenball" heuer erstmals in der Volksgarten-Discothek (für Nichtwiener: Sie liegt am Ring) statt. Und auch sonst gab es - äh - "Ähnlichkeiten" im Setting: eine formale Eröffnung mit überkandideltem, ironischem Mozart-Getue etwa oder bizarre Gegendemo-Gerüchte (die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt wolle, hieß es, mit Hofratswitwen gegen Moral- und Sittenverfall in der City marschieren). Aber damit hat es sich dann: Kein Mensch käme auf die Idee, Tische mit Pferden zu vergleichen - trotz der jeweils vier Beine. Und der Rosenball ist in Wirklichkeit halt doch einfach eine recht wilde, sehr bunte und ziemlich schwule House-Party, also - abgesehen von der Größe - mehr Life- als Opernball.

Bunte Kür?

Das bestätigte auch Life-Ball-"Mama" Gery Keszler, der den Weg zu Opern- und Rosenball fand: Keszler widersprach Miss Candys Mutmaßung, dass der Opernball schwarz-weiße Pflicht, die Rosen-Redoute aber bunte Kür sei, vehement: "Unsinn." Auch, weil Staatsopernchef Ioan Holender Keszlers wüstes Hinterkopf-Make-up "nicht gerade goutiert habe" - ein paar Häuser weiter fiel es aber gar nicht auf. Freilich: Nicht alle, die öffentlich posaunt hatten, beide Veranstaltungen zu besuchen, kamen auch: Christina Lugner etwa, die noch am Mittwoch überraschend versprochen hatte, samt Gemahl und Frau Electra vorbeizuschauen, ließ sich - erwartungsgemäß - nicht blicken. "Ich gehe nur aus, wenn es mir auch Spaß macht - das ist eben nicht bei allen Leuten so", konnte sich Jeannine Schiller da im Volksgarten den Seitenhieb nicht verkneifen - ein kleines Revanchefoul: In der Oper habe Frau Lugner nämlich versucht "mich mit Gewalt in ihre Loge zu zerren - aber ich wollte nicht hin. Man weiß ja nie, was dem Richard (Lugner; Anm.) dann wieder einfällt." (DER STANDARD-Printausgabe 25./26.02.2006)

  • Ballmuttis: Miss Candy (links) mit Life-Ball-Erfinder Gery Keszler
    foto: viennapress.at

    Ballmuttis: Miss Candy (links) mit Life-Ball-Erfinder Gery Keszler

  • Überkandidelt-ironische Mozart-Bezüge bei der Eröffnung durch die Tanzgruppe "Les Schu Schu".
    foto: viennapress

    Überkandidelt-ironische Mozart-Bezüge bei der Eröffnung durch die Tanzgruppe "Les Schu Schu".

  • Die Dragqueen auf dem Red Carpet: der Einzug von Chantal St. Germain
    foto: c.de beauclair

    Die Dragqueen auf dem Red Carpet: der Einzug von Chantal St. Germain

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