Überlebenskünstler im Abseits über Europa

22. März 2006, 14:57
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Vieles spricht gegen den Erfolg der Finnair - Wie die Fluglinie dennoch ihre Markteigenständigkeit erhalten will

Helsinki - Die Spekulationen, welche der mittelgroßen Fluglinien Europas eigenständig bleiben können, ohne in irgendeiner Fusion aufzugehen, werden 2006 intensiviert. Während man in Österreich philosophiert, ob ein Lufthansa- Einstieg bei der AUA das Maß aller Dinge zum Überleben sei, stemmt sich ein Außenseiter gegen jegliche Diskussionen dieser Art - die Finnair.

Dabei sprechen zahlreiche Faktoren gegen den Willen der Finnen. Denn im Gegensatz zur heimischen AUA (100 Flugzeuge, Heimmarkt acht Millionen Einwohner), die den geografischen Vorteil ihrer Basis im Zentrum Europas als Umsteigepunkt für den Ost-West-Verkehr nutzt, liegt Finnland am absoluten Rand des Kontinents. Auch ist die Konkurrenz von Billigfluglinien in Finnland und Skandinavien und die Auswirkung hoher Treibstoffkosten enorm.

Vieles also, was eigentlich gegen den Erfolg spricht, zumal die Finnair-Gruppe mit 70 Flugzeugen für ein Land mit nur 5,2 Mio. Einwohnern überdimensioniert ist. "Früher waren wir nur auf Finnland orientiert. Wir waren die Peripherie Europas, heute rücken wir ins Zentrum. Dank der Zukunftsmärkte wie dem Baltikum und Russland in unserer Nachbarschaft und dem Verkehr nach Asien", analysiert Keijo Suila, bis vorigen Dezember CEO und Präsident von Finnair, im Gespräch mit dem STANDARD. Finnairs Position sei ähnlich wie jene der AUA, als eine Airline für den Verkehr zwischen Europa und Asien. "Aber wir glauben, dass wir nicht so an europäische Märkte gebunden sind wie unsere Mitbewerber."

Zuwachsraten nach Japan und China

Als permanenten Wettbewerbsvorteil nennt Suila die Tatsache, dass die kürzesten Flugrouten nach Asien über Helsinki führen und daher immer mehr Passagiere dort das Flugzeug wechseln. Exorbitante Zuwachsraten nach Japan und China bringen Finnair bereits 25 Prozent der Erträge. Als zehntes asiatisches Ziel wird nun Delhi in Indien eröffnet, die Langstreckenflotte auf acht Flieger erhöht. Weiteres Expansionspotenzial bis 2030 sieht Finnair vor allem im Baltikum und in Russland.

Im dritten Quartal 2005 brachte es die Finnair auf einen Nettoprofit von 26,4 Mio. Euro, eine fast 200-prozentige Steigerung gegenüber dem Vergleichszeitraum 2004. Die Ausgaben stiegen nur um neun Prozent. 2005 wurden 8,5 Mio. Passagiere befördert. 57 Prozent der Finnair sind in staatlichem Besitz.

Was machen also die Finnen anders? 2003 mit Passagierrückgängen und den Auswirkungen von Sars konfrontiert, sah sich Suila zu massiven Schnitten gezwungen. Personalabbau, die Kosten wurden um 15 Prozent reduziert, das Unternehmen in Bereiche aufgeteilt, um flexiblere Strukturen zu schaffen. Zudem wird die Flottenharmonisierung vorangetrieben. "Und als Mitglied in der um British Airways orientierten Allianz Oneworld sind wir freier in unseren Entscheidungen, als es bei anderen Allianzen der Fall ist", fügt Finnair-Chef Suila hinzu. (Kurt Hofmann, Helsinki, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.2.2006)

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    Nach einem Sinkflug werden der Fluglinie Rosen gestreut: Sie hat den Turnaround geschafft.

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