Hurrikans in Portugal, Dürre in Österreich

12. Juli 2006, 14:34
6 Postings

Die Rekordkatastrophen im Vorjahr alarmieren die Versicherungen: Ende des Jahrhunderts wird der Klimawandel voll zuschlagen

Wien/München - Hurrikans, die Küstenstriche in Portugal verwüsten, brütende Hitze in Österreich, die hunderte Tote fordert, steigende Meeresspiegel: Im Jahr 2080 wird es wirklich ungemütlich, ist man beim Rückversicherer Münchener Rück überzeugt. Die Szenarien der Abteilung Georisikoforschung zu den Folgen und Risiken des Klimawandels gehen trotz der diversen Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasen weiter von einem deutlichen Temperaturanstieg in den kommenden Jahrzehnten aus. Und damit von einer weiter steigenden Zahl an Naturkatastrophen - samt steigenden Versicherungsprämien.

Für Peter Höppe, den Leiter der 26 Mitarbeiter starken Abteilung, gibt es keine Zweifel an dem Wandel. Besonders alarmiert wurden die Versicherer 2005 von einer Reihe bisher nicht da gewesener Wetterphänomene. Hurrikan "Katrina" und die anschließende Sturmflut, die New Orleans untergehen ließ und den Rekordschaden von 105 Milliarden Euro anrichtete, war nur ein Teil davon. Mit "Wilma" und "Rita" tobten im Vorjahr der stärkste- und der viertstärkste je gemessene Wirbelsturm.

Nordamerika und die Karibik waren aber nicht allein. In Mumbai gab es am 26. Juli die höchste je in Indien gemessene Niederschlagsmenge innerhalb eines Tages - 944 Millimeter Regen waren mehr, als in manch österreichischer Region jährlich vom Himmel kommt. Im Nordatlantik tauchten Hurrikans in bisher nicht betroffenen Gebieten auf - wie Hurrikan "Vince", der im Oktober die portugiesische Insel Madeira bedrohte. "Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte, wenn die Meerestemperatur weiter steigt, auch die iberische Halbinsel gefährdet sein", meint Höppe.

"Seit 1980 hat sich die Zahl der Naturkatastrophen auch in Österreich im Schnitt verdoppelt", rechnete er bei einem Pressegespräch in München vor. Erfasst werden in der versicherungsinternen Datenbank neben Erdbeben auch die wetterbedingten Extremereignisse Sturm, Überschwemmung und Hitze. Ein weiterer Beleg für Höppe: Die zehn wärmsten gemessenen Jahre waren alle innerhalb der vergangenen 18 Jahre. Mit gravierenden Folgen: Im Rekordsommer 2003 starben in Europa rund 35.000 Menschen, die sonst länger gelebt hätten, an der Hitze. Bis 2080 soll es noch heißer werden. Um drei bis vier Grad wird das Jahresmittel nach oben klettern. Die Niederschläge im Sommer werden seltener werden - und wenn es regnet, werden es Extremereignisse sein, prognostizieren die Experten.

Zumindest für die Münchener Rück sind die Konsequenzen klar: Höhere Versicherungsprämien, höhere Selbstbehalte und verstärkte Schadensprävention, etwa durch bauliche Maßnahmen. Auch Gefahrenzonenpläne sollten überarbeitet werden. Denn ein Haus in Flussnähe, dass heute statistisch nur einmal alle 100 Jahre überschwemmt wird, könnte bald häufiger unter Wasser stehen. "Die Niederländer sind ein Vorbild, sie rechnen bei ihren Deichen schon einen deutlichen Sicherheitsfaktor mit ein", verdeutlicht Höppe.

Ob die Prämien tatsächlich bald steigen, ist aber nicht sicher. Bei der Österreichischen Hagelversicherung sind die Prämien sogar gesunken, betont Vorstandsvorsitzender Kurt Weinberger, der zu dem Pressegespräch eingeladen hatte. Der Grund: Eine breitere Risikostreuung. Neben dem Schutz vor Hagel wird auch eine so genannte Mehrgefahrenversicherung angeboten, die auch bei Dürre, Ungezieferbefall, Frost und ähnlichem Unbill zahlt. Die Folge: Mehr Landwirte sind versichert, der Einzelne muss weniger zahlen. Und das, obwohl 2005 ein teures Jahr für die Hagelversicherung war: Über 60 Millionen Euro Schaden richteten Wetterextreme im Vorjahr in der Landwirtschaft an. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. 2. 2006)

Share if you care.