Die Fesselungskünstler

25. Februar 2006, 17:18
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Der Sport ist das Licht, in dem sich Politiker ger­ne sonnen. Der Doping­skandal veranlasst dazu, die Spektralfarben ge­nau­er zu beobachten

Als Sportstaatssekretär Karl Schweitzer im Jänner des heurigen Jahres das neue Bundes-Sportförderungsgesetz präsentierte, ist ihm etwas Erhellendes geglückt. Er hat, in einem einzigen Satz über das Vorgängergesetz, den österreichischen Sport charakterisiert: "Das alte Gesetz hat zugelassen, dass Fördergeber, Fördernehmer und evaluierende Stelle identisch gewesen sind."

Ob sich dieser Umstand durch das neue Sportförderungsgesetz verändert, wird die Zukunft weisen. Denn immer noch sind Fördernehmer, Fördergeber und evaluierende Stellen in vielerlei verworrenen Beziehungssträngen miteinander verbunden, die weit hinein in die Politik und die damit zusammenhängende Wirtschaft reichen.

Verkörpert - wenn schon nicht "repräsentiert" - wird die verwirrende Struktur im heimischen Sport vom Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Heinz Jungwirth. Als Vertreter des 1896 als "Komitee für die Olympischen Spiele in Athen für Österreich" gegründeten Vereins, dem Casino-Chef Leo Wallner vorsteht, sitzt Jungwirth in allen wichtigen Verbänden und Gremien. Nicht als Drahtzieher, das wohl nicht, doch aber als eine Art Meldegänger zwischen Fördergeber, Fördernehmer und evaluierender Stelle.

Jungwirth vertritt die Olympier bei: Bundessport-Organisation (BSO), Institut für Medizinische und Sportwissenschaftliche Beratung, Komitee für internationale Sportbeziehungen, Österreichisches Anti-Doping-Comité (ÖADC) und, gemeinsam mit seinem Präsidenten Wallner, bei der Sporthilfe, dessen Präsident niemand geringer als der Bundeskanzler ist.

Äußerlich folgt der Aufbau des österreichischen Sports dem Gedanken der Pyramide mit der BSO an der Spitze (Präsident: Ex-Innenminister Franz Löschnak). In der BSO sammelt sich der gesamte heimische Sport: neben den 55 Fachverbänden sind die drei Dachverbände Mitglieder - der rote ASKÖ (Präsident: Ex-Sport-Staatssekretär Peter Wittmann), die schwarze UNION (Präsidentin: Innenministerin Liese Prokop) und der als Alternative für Unpolitische positionierte ASVÖ -, der Behinderten-Sportverband und das ÖOC. Zusammen vertreten sie rund 12.300 Sportvereine.

Präsidenten unter sich

Darunter gibt es freilich einige mit besonderem Gewicht. Der Österreichische Fußball Bund (ÖFB) hat seinen Präsidenten, den Lotterien-Direktor Friedrich Stickler, ins ÖOC entsandt, wo er die Olympier in Finanzdingen berät. Und Peter Schröcksnadel, der durch die olympische Dopingaffäre ins Trudeln gekommene Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), ist einer von drei ÖOC-Vizepräsidenten. Neben ihm verkörpern diese tragende Rolle Innenministerin Liese Prokop und der langjährige SP-Parlamentarier Arnold Grabner, der sich unter Sportlern gerne "Noldi" nennen lässt. Falls die Fragen haben, können sie sich vertrauensvoll an einen Vorstandskollegen wenden: Wirtschaftskammerboss Christoph Leitl ist im ÖOC als "Experte für Wirtschaftsfragen" kooptiert. Und damit das alles unter größtmöglicher Ruhe vor sich gehen kann, gibt es noch erstaunliche "Partnerschaften" mit dem ORF und der Kronen Zeitung.

Dass mit Leo Wallner (Casinos) und Friedrich Stickler (Lotterien) zwei hochrangige Vertreter des Glücksspielmonopols im Sport regieren, hat einen guten, wenn man will legistischen Grund. Das Glücksspielgesetz bestimmt, dass drei Prozent der Umsatzerlöse der Österreichischen Lotterien oder mindestens 40 Millionen Euro jährlich an die Sportförderung auszuschütten sind. Heuer sind es rund 54 Millionen Euro. Die Verteilung regelt das von allen vier Parteien beschlossene Sportförderungsgesetz.

Zusätzlich wird gezielt Spitzensport gefördert. Fördergeber in diesem Fall ist die Sporthilfe (Präsident: Bundeskanzler Wolfgang Schüssel) und die "Koordinierungsplattform" im Kanzleramt mit dem Namen "Top Sport Austria". In beiden Gremien mit dabei: Heinz Jungwirth, Fördergeber. Oder Fördernehmer? Oder evaluierende Stelle? (wei - DER STANDARD PRINTAUSGABE 25./26.2. 2006)

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    grafik: der standard
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