Frühbucherbonus für Digital-TV

26. Juli 2006, 13:04
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In einem Jahr sollten alle Bewohner Wiens und der Landeshauptstädte einen digitalen TV-Decoder haben

In einem Jahr sollten alle Bewohner Wiens und der Landeshauptstädte einen digitalen TV-Decoder haben. Sonst sehen sie über Antenne statt ORF und ATV nur noch Schwarz. Schnell Entschlossene werden gefördert.

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Am Donnerstagnachmittag – DER STANDARD berichtete bereits – ratterten bei der ORF-Sendertochter 70 Seiten aus dem Fax. Die Medienbehörde KommAustria erteilte der ORS (als einziger Bewerberin) offiziell den Zuschlag für digitales Fernsehen über Antenne.

Ab 27. September will die ORS ORF 1, ORF 2 und ATV+ digital in allen Landeshauptstädten ausstrahlen, sagt ihr Geschäftsführer Michael Wagenhofer dem STANDARD. Vier Monate danach werden die gewohnten analogen Frequenzen dieser Programme im Zweiwochenrhythmus von West nach Ost abgedreht (Fahrplan unten).

ORF will Sportkanal

Ab Februar 2007 soll ein zweites Programmpaket on air gehen, das Digital-TV über Handy (DVB-H) ermöglicht. Auch für das traute Heim soll es mehr Kanäle bringen, Auswahlkriterien legt die Behörde fest (unten: Die ORS muss...). Kandidaten sind Regionalsen der wie Puls, Salzburg-TV und das Linzer LT-1. Die ORS will regional 270.000 Euro pro Jahr Miete. ProSiebenSat.1-Vermarkter Markus Breitenecker will sich mit einem Programm bewerben. Die ORS ist ihm aber bisher zu teuer. Kolportiert: zwei Millionen pro Jahr. Der ORF will seinen neuen, auch mit Gebühren finanzierten Sportkanal in diesem zweiten Programmpaket über Antenne ausstrahlen. Laut Gesetz darf er das nur mit jenen Sportsendungen, die er im Tochterkanal TW1 über Kabel und Sat zeigt. Mehr Sport über Antenne bräuchte laut ORF eine weitere Gesetzesänderung. TW1 darf er nicht über Antenne senden.

Wann kommt es

Ab Ende September 2006 will die ORF-Sendertochter alle Landeshauptstädte samt Umgebung mit Digital-TV über Antenne versorgen. Ab Februar schaltet sie die ersten analogen Frequenzen von Bregenz ostwärts im Zweiwochenrhythmus ab. Bis Frühling sollten alle einen Decoder haben, die ORF und ATV+ über Antenne empfangen, also auch analoge Satseher. Digitale bekommen auch diese Kanäle aus dem All.

Die analog abgeschalteten Frequenzen sind leistungsstärker, ORF 1, 2 und ATV+ wechseln 2007 digital dorthin und machen die ersten digital belegten Frequenzen frei für Puls & Co, andere Private, ORF Sport über Antenne – und Handy-TV. Das zweite Paket empfangen im Endausbau 80 Prozent der Österreicher. Das erste mit ORF und ATV+ bekommen bis Ende 2008 90 Prozent, 2010 95 Prozent. Da werden die letzten analogen Frequenzen abgeschaltet.

Was es bringt

Was kann digitales Fernsehen über Antenne mehr als das bisher gewohnte analoge? Frequenzen transportieren analog ein Programm, digital drei oder vier plus Zusatzdienste wie elektronische Programmführer auf dem Bildschirm und mit Bildern, Grafiken auffrisierter Teletext. Die ORS verspricht zudem schärfere Bilder, klaren Ton, störungsfreien TV-Empfang, etwa auch über Laptop. In einem zweiten Schritt kommt 2007 digitales TV für Handy-Empfang.

Was es kostet

Die ersten 100.000 Österreicher, die sich für 90 bis 140 Euro einen Decoder für digitalen TV-Empfang über Antenne kaufen, bekommen von der Medienbehörde RTR 30 Euro Zuschuss für die Anschaffung. Bis Frühjahr 2007 brauchen alle Bewohner von Landeshauptstädten das Gerät, die ohne Kabel oder Sat ORF oder ATV empfangen wollen.

Von den ORF-Gebühren befreiten Haushalten steuert die RTR 50 Euro zur Anschaffung des Decoders bei.

Die ORS muss

Die ORS bekam Bedingungen, welche Kanäle sie ins zweite Programmpaket packt: Programm- und Meinungsvielfalt; eigengestaltete Programme; Österreichbezug in Info, Bildung, Kultur, Gegenwartskunst, Unterhaltung "einschließlich Sport"; Regionalbezug; Zusatzdienste. Auch unverschlüsselt sollen sie sein. Gegen die Auswahl können sich Bewerber bei der Medienbehörde beschweren. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.2.2006)

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