Widerstand gegen Schuh-Strafzölle

29. März 2006, 15:39
40 Postings

Die Verhängung von Strafzöllen auf Schuhimporte aus China und Vietnam wird scharf kritisiert - In Österreich wird mit Preis­erhöhungen gerechnet

Brüssel/Wien – Die von der EU- Kommission vorgeschlagenen Strafzölle auf Schuhimporte aus China und Vietnam stoßen sowohl in mehreren Mitgliedsstaaten als auch beim europäischen Branchenverband auf scharfen Widerstand. Die Strafzölle von fast 20 Prozent sind "viel zu hoch und nicht akzeptabel", befindet etwa die Footwear Association of Importers and Retailchains (FAIR).

Mit den Strafzöllen sollen ab April 2006 die verbliebenen europäischen Schuhhersteller in Italien, Spanien, Portugal und Polen geschützt werden. Diese Staaten, insbesondere Italien, hatten die Strafmaßnahmen gefordert.

Protektionismus

Widerstand gibt es dagegen in anderen Ländern wie Deutschland und Schweden. So warnte der schwedische Industrie- und Handelsminister Thomas Ostros vor Protektionismus und steigenden Preisen für die Verbraucher.

In Vietnam deutet sich jedoch ein Einlenken bei staatlichen Stützungsmaßnahmen an. So werden Schuherzeugern günstige Kredite und Steuererleichterungen angeboten. Hanoi habe nun ein Überdenken dieser Maßnahmen signalisiert, hieß es aus EU-Kreisen. Anfang März will eine EU-Delegation in Hanoi darüber verhandeln.

Die Regierung in China hat am Freitag die angekündigten Anti-Dumping-Zölle dagegen als "reinen Protektionismus" verurteilt und die Vorwürfe der EU-Kommission als ungerechtfertigt bezeichnet.

Preissteigerung für Verbraucher

EU-Handelskommissar Peter Mandelson rechnet im Zusammenhang mit der Verhängung von Strafzöllen jedenfalls nicht mit Preissteigerungen für die Verbraucher, weil "der Einzelhandel in der EU über so hohe Margen verfüge, dass er die Zölle auffangen könne". Anders sieht dies Horst Widmann, Chef der Europäischen Sportartikelindustrie (FESI). Er geht davon aus, dass – entgegen der Darstellung der Kommission – die Verkaufspreise um bis zu 20 Prozent angehoben würden.

Ähnlich düster ist das Bild, das der österreichische Schuheinzelhandel zeichnet. Da "sowieso bereits sehr knapp kalkuliert wird", werden die Strafen "voll auf den Preis durchschlagen". Dies wird garantiert im unteren aber auch im mittleren Preissegment "etwa bei Stiefeln bis zu 70 Euro der Fall sein", fürchtet Peter Zeitler, Geschäftsführer des Bundesgremiums des Schuhhandels in der Wirtschaftskammer auf Standard-Anfra 6. Spalte ge. Zeitler hofft, dass sich die EU-Kommission mit ihren Maßnahmen "bis 2007 Zeit lässt, da die Händler nicht ad hoc aus ihren Verträgen mit zumeist langen Bindungsfristen aussteigen können". Der Großteil der Ware ist nämlich bis hin zu den Herbst-Winter- Modellen 2006/07 bereits geordert.

Prinzip Hoffnung

Das Prinzip Hoffnung hält hingegen Interessenvertreter Karl Novak hoch: Er geht derzeit davon aus, dass sich wenigstens "das Schuhwerk von 70 Euro aufwärts für den Konsumenten nicht verteuert." Im Standard-Gespräch spielt er den Ball den Großimporteuren zu. Diese hätten bei hochwertiger Ware auch größere Spannen und müssten deshalb "eigentlich den Zollaufschlag schlucken können".

Von den progressiv ansteigenden Dumping-Zöllen sind insgesamt neun Prozent der Schuheinfuhren in die EU betroffen. (Alexandra Föderl-Schmid, Monika Bachhofer, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.2.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.