Der Opernball "alla turca"

3. März 2006, 22:09
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Das orientalische Thema der Mozart-Eröffnung tönte während des Opernballes hier und da nach

Übertönt wurde es allerdings von reger Geschäftigkeit, sonderbaren Begegnungen – und geradezu gefährlich sensationsgeilen Reportertrauben um Carmen Electra

* * *

"Daß die Wiener in genere zu reden nicht begierig sind ernsthafte und vernünftige Sachen zu sehen, auch wenig oder gar keinen Begriff davon haben, und nichts als närrisches zeug, tanzen, teufel, gespenster, Zaubereyen, Hanswurst, Lipperl, Bernardon, Hexen, und Erscheinungen sehen wollen, ist eine Sache und ihre theater beweisen es täglich."
(Leopold Mozart in einem Brief)

Wien – Das große Motto des Abends sollte es sein. Doch das Mozart-Generalmotiv ward nach der Eröffnung rasch vergessen – seine "alla turca"-Klänge tönten aber in allen möglichen Varianten als orientalisches Thema nach. 2. Spalte "Ich bin Opernballdebütant und genieße es irrsinnig", schwärmte etwa IAEO-Generaldirektor, Mohammed ElBaradei als Bundeskanzler Wolfgang Schüssels Gast.

Der libysche Präsidentensohn Saif al-Gaddafi grüßte huldvoll aus der Lugner-Loge in die Menge – und Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber, der Besitzer des Wiener Grand-Hotels und des Hauses am Kärntnerring 8 lächelte im Logengang: "Es gibt viele Gerüchte. Sie sind alle wahr." Vorerst will er zur Freude seiner Gastgeberin, der Wiener Wirtschaftskammerchefin Brigitte Jank die neue Tourismusschule am Kahlenberg un^terstützen. "Kultur und Tourismus sind die Brücke zu Friede und Toleranz." Ein wei 3. Spalte teres Großprojekt werde aber erst im Juni bekannt gegeben, so Al Jaber geheimnisvoll.

"I glaub, des beste Gschäft macht heut der Riedel", meinte hingegen Bürgermeister Michael Häupl in seiner Loge, als es draußen klirrte. Er besuchte heuer den Ball erstmals ohne seine von ihm nun getrennt lebende Frau Helga und mit Sohn Bernhard.

Sehr gschaftig war an diesem Abend Promischneider Nhut La Hong, der mit Ex- Miss-Austria Sylvia Hackl durch die Oper huschte. Ex- Dancingstar Marika Lichter klapperte mit dem Starkoch Johann Lafer und seiner Frau die Logen ab, um ihn "vorzustellen".

Es sind oft sehr sonderbare Kombinationen, die sich während des Opernballs ergeben. Wenn etwa das Ehepaar Karl- Heinz Grasser und Fiona Swarovski tumultartiges Blitzen und Schieben auslösen – während gleich daneben weit gehend unbeachtet Mario Adorf bescheiden wartet, bis er endlich vorbeikann.

Fotografen-Hintern

Oder eben Bundespräsident Heinz Fischer, der auf der Feststiege auf einmal vor einem Pulk von Fotografen-Hinterteilen steht – weil oben Richard Lugner mit der Schauspielerin Carmen Electra, quasi vom Hintertürl kommend, posiert.

"Was is da für a Ansammlung?", freute sich Vizekanzler Hubert Gorbach, als er die Reporter vor der Lugner-Loge gewahrte. Schon pirschte er sich an und ward vom Baumeister empfangen: "Den Vizekanzler lass ma eine." Als Electra, Lugner und Gorbach 4. Spalte gemeinsam wieder erscheinen, formiert sich die wartende sensationsgeile Traube zu einem eigenen gefährlichen Organismus, der sich durch die Gänge wälzt und ums Haar zwei Tische niederwalzt.

Viel ruhiger eine politische Begegnung: Als Benita Ferrero-Waldner, Susanne Riess- Passer und Maria Rauch-Kallat beieinander standen, sprach letztere vom "Dreimäderlhaus".

Heimliches Rauchen

Das Verteilen von Nicoretten wegen des allgemeinen Rauchverbots gehe heuer sogar noch besser, freute man sich am Rettungsstand nahe dem Foyer – obgleich es viele nicht so genau nahmen. Im Vorraum einer Loge wurde gerade heimlich geraucht, als "Ballmutter" Elisabeth Gürtler in die Loge huschte. Ein Raucher wischte sich die Stirn: "Wie in der Schul".

Nachgerade asketisch hingegen der Nulldefizit-Minister und seine Frau. Swarovski: "Wenn man sich bei alkoholischen Getränken zurückhält und genug Wasser trinkt, ist der nächste Tag nicht so schwer zu überstehen.".

Vater Mozart zitiert

Nun werden sie mich fragen, was die Noblesse in Wienn thut? Die ausgaben schrenken sie alle ein, so viel es möglich ist, um sich dem Kayser gefällig zu machen. Verschwendet das oberhaupt, so lässt jedermann das Rädl laufen; Ist hingegen das oberhaupt sparsam; so will ein jeder der beste Hauswirth seyn. Leopold Mozart. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD-Printausgabe 25./26.02.2006)

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    foto: der standard/matthias cremer
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