Polens Konsumenten kaufen mehr - bleiben aber pessimistisch

16. März 2006, 15:53
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Einzelhandel legte im Jänner um 8,5 Prozent im Jahresabstand zu - Höhere Löhne, mehr freie Stellen

Warschau - Die Polen leisten sich immer mehr und blicken trotzdem skeptisch in die Zukunft. Dieses widersprüchliche Bild ergeben jüngste Umfragen und Statistiken. Auch die gestiegene Zahl an freien Stellen müsste den Polen eigentlich die Laune verbessern.

Kosmetik und Elektronik Spitzenreiter

Im Jänner kauften die Polen vor allem mehr Lebensmittel, Kosmetik, Benzin, Elektronik und Haushaltsgeräte. Nach Angaben des staatlichen Amtes für Statistik stieg der Verkauf im Einzelhandel deshalb im Jahresvergleich um 8,5 Prozent. Die Elektronik-Kette Media Markt etwa verzeichnete ein Umsatz-Plus von acht Prozent im Jänner gegenüber dem gleichen Monat 2005. Viele Polen sähen offenbar die Zeit gekommen, ihre alten Haushaltsgeräte zu ersetzen, so Wioletta Batog, Pressesprecherin von Media Markt in Polen.

Dabei könnte es sich um einen längerfristigen Trend handeln. Denn im Jänner nahm die Kaufkraft der Polen um 2,9 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat im Vorjahr zu. Dazu trug ein Anstieg bei den Löhnen und bei den Pensionen bei. Auch die EU-Hilfen für die Landwirtschaft machen sich bemerkbar. Gleichzeitig stieg das "Arbeitsplatz-Barometer", das die Zeitung "Gazeta Wyborcza" monatlich auf der Grundlage von Zeitungsannoncen erstellt. Vor allem im Handel wurden im Jänner deutlich mehr Stellen angeboten als im Dezember.

Portugiesen bilden Schlusslicht

Die Polen bleiben dennoch pessimistisch. Die jüngste Umfrage des "Cetelem Observer" zeigt, dass polnische Konsumenten EU-weit die Zukunft mit am schlechtesten beurteilen. Nur die Portugiesen sehen noch weniger Anlass zu Optimismus. Auf einer Skala von eins bis zehn bewerten die Polen ihre materielle Zukunft mit der Note 3,67. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 3,78. Der EU-Durchschnitt liegt bei 4,65. Die Zukunft der Europäischen Union wird allerdings immerhin von 14 Prozent der befragten Konsumenten als "sehr gut" beurteilt - ein deutlich höherer Wert als in alten EU-Ländern. (APA)

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