Chianti: Ist der Ruf erst ruiniert

6. März 2006, 16:21
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Auch beim Chianti gibt Richtungsstreitigkeiten unter den Produzenten, die man mit Großbetriebe gegen Kleinproduzenten zusammenfassen könnte

In die Gläser kam der neue Jahrgang 2004 des Chianti Classico, eines Blends, der laut DOCG-Bestimmungen mindestens 80 Prozent Sangiovese enthalten muss. Der Rest wird entweder mit den traditionellen lokalen Sorten wie Cannaiolo, Colorino & Co oder mit Merlot oder Cabernet Sauvignon oder mit einer Kombination aus allen aufgefüllt. Einige Betriebe zeigten – vor allem – Fassproben der Riservas 2003 und die fertigen 2001-er. 2002 wurde von vielen ausgelassen, weil es ein sehr problematisches Jahr war, in dem in vielen Betriebe die hohen Qualitätsstufen ausgelassen bzw. abgestuft wurden – Trauben, die normalerweise für eine Riserva verwendet wurden, kamen bestenfalls in den normalen Classico. Während 2003 als sehr heißes Jahr viele tannin-starke, manchmal unangenehm bitter und sogar verbrannt schmeckende Weine hervorbrachte, war 2004 angenehmer, kühler als 2003, aber nicht kalt mit einer langen Vegetationsperiode, in der die Beeren in Ruhe ausreifen konnten, wodurch deutlich elegantere und fruchtigere Weine entstanden.

Auch wenn man nach der Vereinigung der beiden Consorzii Einigkeit demonstrierte, gibt es einige Richtungsstreitigkeiten unter den Produzenten, die man mit Großbetriebe gegen Kleinproduzenten zusammenfassen könnte. Diskutiert wird derzeit das Ansinnen der Führung (die vor allem von Großbetrieben gestellt wird), den Pflichtanteil an Sangiovese im Chianti Classico (derzeit mindestens 80 Prozent) zu senken, was logischerweise bedeutet, mehr von anderen Rebsorten in der Cuvée unterzubringen. Und Merlot und Cabernet wurden im Zuge der Wunderjahre der Super Tuscans mehr als genug ausgepflanzt.

Das Problem des Chianti, der seinen Ruf in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten durch die Aufweichung der DOCG-Bestimmungen und schlampige Weinqualitäten nachhaltig ruiniert hat, wird dadurch wohl kaum in den Griff zu bekommen sein. Auf einen einprägsamen Nenner gebracht, geht es dabei hier wie auch in anderen Gebieten um Traditionalisten respektive Verfechter der Herkunftsweine – je mehr Sangiovese, desto unverwechselbarer: man beachte den Trend zu lokalen Sorten – versus Modernisten, die befinden, dass man den Kunden den Zugang erleichtern sollte, indem die Weine weicher, früher trinkbar und insgesamt verständlicher werden, was man durch die Beigabe von Merlot oder Cabernet erreichen könnte.

Positiv fielen jedenfalls die Classico-Weine folgender (altbekannter) Betriebe auf: Poggiopiano, der seine Classicos aus 100 Prozent Sangiovese macht und eine gelungene Sortentypizität mit feinen Veilchen-Aroma, kräftigen, aber nicht derben Tanninen und einer frischen Säure herausarbeitet, Castello di Querceto, wo man Chianti Classico „nie mit internationalen Rebsorten machen würde, denn dafür haben wird die IGT-Weine“, Isole e Olena (Classico aus traditionellen Rebsorten mit einem Schuss Syrah – regionsuntypische Cuvée, aber schöner Vertreter der Herkunft), weiters Fattoria Nittardi, Castello di Ama, Badia e Coltibuono, Riecine.

  • Artikelbild
    foto: luzia schrampf
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