Sanofi nach Gewinnplus für dieses Jahr vorsichtiger

7. Juni 2006, 14:43
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Markteinführung der Pille gegen Fettleibigkeit in den USA wird sich verzögern

Paris - Nach einem Gewinnsprung im vierten Quartal ist der französische Pharmariese Sanofi-Aventis für dieses Jahr unter anderem wegen zu erwartender schärferer Konkurrenz eher vorsichtig. Der bereinigte Gewinn je Aktie werde 2006 voraussichtlich um zehn Prozent zulegen, erklärte das Management des weltweit drittgrößten Arzneimittelherstellers am Freitag. Eine Umsatzerwartung für dieses Jahr gab Sanofi nicht. "Ich habe keinen Ausblick, weil es schwer absehbar ist, wie sich der Weltpharmamarkt entwickelt", begründete Finanzchef Jean-Claude Leroy zu Journalisten.

Zudem wird sich voraussichtlich die Markteinführung der Pille Acomplia gegen Fettleibigkeit in den USA um Monate verzögern. Der gegenwärtig größte Hoffnungsträger des Konzerns soll nun wahrscheinlich erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen und nicht wie bisher geplant im zweiten Quartal.

Im letzten Jahresviertel 2005 steigerte Sanofi seinen bereinigten Gewinn je Aktie um 20 Prozent auf 1,08 Euro. Insgesamt stand ein bereinigter Nettogewinn von 1,444 Mrd. Euro in den Büchern, ein Plus von 20,8 Prozent. Analysten hatten 1,426 Mrd. Euro erwartet. Der operative Gewinn vor Sonderposten nahm um vier Prozent auf 2,020 Mrd. Euro zu. Im Schnitt wurden von Analysten 2,183 Mrd. Euro erwartet.

Leichte Abschwächung in den USA

Zur erwarteten Entwicklung in diesem Jahr sagte Leroy, es scheine zu einer leichten Abschwächung in den USA zu kommen. Zudem habe Sanofi auch Konkurrenz durch Nachahmermedikamente, so genannte Generika, "auf dem Radar". Der Konzern sei aber zuversichtlich, sein Ziel von 1,6 Mrd. Euro an Einsparungen aus der 2004 erfolgten Fusion mit Aventis schon in der ersten Jahreshälfte zu erreichen.

In der vergangenen Woche hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA Sanofi einen so genannten "Approvable Letter" zu Acomplia zukommen lassen. Darin hatte die FDA den Konzern erst noch um weitere Informationen zu der Pille gebeten, bevor sie dem Mittel als Therapie gegen Fettleibigkeit grünes Licht zum Marktstart geben will. Als Medikament zur Abgewöhnung des Rauchens wies die FDA das Präparat zunächst zurück. Mit einem "Approvable Letter" signalisiert die FDA einem Unternehmen, dass sie grundsätzlich bereit ist, ein Pharmaprodukt zur Vermarktung freizugeben. Zugleich werden darin Bedingungen genannt, die für die endgültige Genehmigung noch erfüllt werden müssen.

Sanofi-Forschungschef Gerard Le Fur zufolge hat die FDA einen weiteren klinischen Test gefordert, in dem die Fähigkeit des Mittels, das Verlangen nach Tabak auszuschalten, überprüft werden soll. Die Wirksamkeit des Präparats bei der Bekämpfung der Fettleibigkeit, müsse dagegen nicht noch in einem weiteren Test überprüft werden. "Wir werden mit der FDA im März zusammenkommen, um ihre Fragen zu beantworten", sagte Le Fur. "Wir denken, es ist möglich, das Produkt zwischen dem heutigen Zeitpunkt und dem Jahresende auf den Markt zu bringen", fügte er hinzu.

Was den Nachschub an neuen Medikamenten angeht, so gab sich der Konzern optimistisch. Sanofi habe nun 17 Produkte in der dritten klinischen Testphase, 18 Medikamentenkandidaten befänden sich in der Phase IIb. Neue Medikamente müssen üblicherweise erst drei klinische Testreihen am Menschen erfolgreich abschließen, bevor für sie Zulassungsanträge gestellt werden können. Bis Ende 2008 will Sanofi für elf neue Pharmasubstanzen und sieben neue Impfstoffe die Zulassung beantragt haben. Es gab allerdings auch Rückschläge. So hatte der Konzern die Entwicklung eines Medikamentenkandidaten gegen Lungenkrebs sowie eines Präparats zur Bekämpfung von Alzheimer gestoppt. (APA)

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