Hochmoderne Siemens-Reisezüge ab 2008

27. März 2006, 15:51
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Neue Railjets ab 2008 auf der Schiene - Millionen-Zuwachs bei Fahrgastzahlen erhofft

Wien - Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kaufen Siemens 23 neue Fernreisezüge Railjet um 244 Mio. Euro ab und sichern sich eine Option auf 40 weitere Züge im Wert von 424 Mio. Euro. Die von der Siemens-Bahntechniksparte produzierten Züge sind 205 Meter lang und können mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 230 Stundenkilometern fahren. Die Auslieferung erfolgt zwischen Jänner 2008 und Dezember 2009.

Wie berichtet hat ein außerordentlicher ÖBB-Aufsichtsrat vor zwei Wochen die Großbestellung abgesegnet. Die ÖBB stellen in einer soeben laufenden Pressekonferenz ihre Neuerwerbung genauer vor. Sie erwarten sich durch die Luxus-Züge einen jährlichen Zuwachs von 1,2 Millionen Passagieren.

Die ÖBB wollen mit neuen Zügen Angebot und Qualität verbessern. Im Jahr 2008 sollen 23 hochmoderne "Railjet"-Züge von Siemens mit je sieben Waggons in Dienst gehen. Die neuen Garnituren kosten 244 Mio. Euro. In Summe investieren die ÖBB rund 300 Mio. Euro in ihre "Modernisierungs- und Kundenoffensive im Fernverkehr". Außer dem heute, Donnerstag, präsentierten Projekt "Railjet" werden zusammen mit der Deutschen Bahn auch elf neue ICE-411 angekauft.

"Wir wollen 2010 zu den Top-Bahnen Europas gehören und investieren daher massiv in einen Aufholprozess, der unsere Wettbewerbsfähigkeit im liberalisierten Markt und unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Straße herstellen soll", erklärte Martin Huber, Vorstandssprecher der ÖBB-Holding AG heute, Donnerstag, vor Journalisten in Wien. Neue Höchstgeschwindigkeiten bis zu 230 km/h sollen die Bahn auch wettbewerbsfähiger gegenüber dem Flugverkehr machen.

So soll die Reisezeit für die Strecke Wien-Bregenz zunächst auf 7 Stunden 35 Minuten, später auf etwas über 6 Stunden schrumpfen. Salzburg wird künftig von Wien nur noch 2 Stunden 10 Minuten entfernt sein, und die Fahrzeit nach Innsbruck soll auf "deutlich unter vier Stunden" sinken, sagte ÖBB-Personenverkehrsvorstand Stefan Wehinger. Neue Fahrpläne und "gut abgestimmte Anschlussverbindungen" sollen Bahnfahren attraktiver machen.

Einsatz ab 2008

Die ersten "Railjet"-Züge werden auf der Westbahn - zwischen Budapest und München sowie zwischen Wien und Bregenz bzw. Zürich - unterwegs sein. Das damit verbundene neue Servicekonzept wird ab dem Frühjahr auf einzelnen Strecken getestet.

Die Auslieferung der 23 neuen Züge, die in Österreich gefertigt werden, beginnt im Jahr 2008 und soll bis Ende 2009 abgeschlossen sein. Zusätzlich haben die ÖBB eine Option auf weitere 40 Züge im Wert von 424 Mio. Euro bis 2015. Die Finanzierung erfolgt über Eigenmittel sowie über den zukünftigen Cashflow.

Neues Service-Konzept

Ein "völlig neuartiges Servicekonzept" soll ab 2008 "den Standard im Fernverkehr neu definieren", versprechen die ÖBB. Die neuen Züge sollen "Jet Ambiente", mehr Annehmlichkeiten und sogar einen Konferenzraum bieten. Wehinger erwartet dadurch einen jährlichen Fahrgastzuwachs von 1,23 Millionen Passagieren oder rund 15 Prozent bis 2015. Schwerpunkt sei die Erschließung des zentraleuropäischen Raumes mit Wien als Drehschreibe. "Reisen mit dem Railjet wird ein völlig neues Gefühl des Bahnfahrens werden", kündigt er an.

Reisen in drei Kategorien

Die neuen Züge ermöglichen Reisen in drei Kategorien - 350 Sitze in der Economy Class, weitere 90 in Business und Premium Class. Die modern designten Waggons sind mit ergonometisch gestalteten Sitzen, Info-Displays und besonderen Vorrichtungen (Hebelift, "barrierefreie Toiletten") für mobilitätseingeschränkte Personen ausgestattet. Jede Garnitur verfügt über drei Plätze für Rollstuhlfahrer. Zusammen mit der TU Wien wurden neuartige Gepäckracks entwickelt. Der Sitzabstand ist laut Wehinger der größte unter allen europäischen Top-Zügen.

Speisewagen wird es im "Railjet" nicht geben. Economy-Kunden stehen dafür ein "verbessertes Bistro-Trolly-Service" sowie ein Stehbistro zur Verfügung. In der Business- und Premium-Class bringen Zugbegleiter Speisen und Getränke an den Platz, zudem gibt es ein eigenes Zeitungsservice. (APA)

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    In Fertigung befindliche Züge in einer Montagehalle am Gelände der Siemens AG Österreich in Wien.

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