Antrag Milosevics auf vorläufige Freilassung abgewiesen

3. März 2006, 19:57
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Jugoslawischer Ex-Staatschef wollte sich in Moskau ärztlich behandeln lassen

Belgrad/Den Haag - Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien hat am Freitag den Antrag des ehemaligen jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic auf vorläufige Freilassung zwecks ärztlicher Behandlung in einer Moskauer Klinik abgewiesen. Der Belgrader Sender B-92 meldete, dass der Tribunalssenat, der für die Causa Milosevic zuständig ist, den Einwand der Anklage berücksichtigt habe.

Befürchtungen

Die Anklage hatte sich der Freilassung widersetzt und Befürchtungen geäußert, dass Milosevic womöglich nicht mehr nach Den Haag zurückkehren würde. Der Tribunalssenat sei auch nicht überzeugt, dass es keine andere Klinik auf der Welt gebe, in der Milosevic behandelt werden könnte, meldete der Sender.

Milosevic hatte im Dezember einen Antrag auf vorläufige Freilassung zwecks Behandlung in Moskau gestellt. Der jugoslawische Ex-Staatschef leidet an Bluthochdruck, der nach ärztlichen Angaben auch Organschäden bewirkt hat.

Urteil für 2007 erwartet

In der russischen Hauptstadt leben sowohl seine Gattin Mira Markovic als auch sein Bruder Borivoj Milosevic. Auch Milosevics Sohn Marko wird in Russland vermutet. Die ehemalige Vorsitzende der serbischen Kommunisten kann ihren Gatten bereits seit drei Jahren nicht mehr im Tribunalsgefängnis besuchen. Gegen Mira Markovic ist ein Interpol-Haftbefehl aufrecht. Sie wird des Amtsmissbrauchs verdächtigt.

Mindestens einer von sechs flüchtigen Haager Angeklagten - der ehemalige serbische Polizeispitzenfunktionär Vlastimir Djordjevic - soll seit Jahren in Russland leben. Der Prozess gegen Milosevic läuft seit Februar 2002. Ein Urteil wird für 2007 erwartet. (APA)

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