Libyen fordert Entschädigung von Italien

1. März 2006, 12:31
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Für die Folgen der Kolonialherrschaft und des Krieges - Neuerliche Freigabe von beschlagnahmtem Eigentum verlangt

Rom - Die italienische Regierung nimmt das Thema der von Libyen geforderten Entschädigung für die Kolonialzeit in Angriff. Libyen war von 1912 bis 1943 italienische Kolonie und verlangt von Rom Entschädigung für die Folgen dieser Kolonialherrschaft und des Krieges, gesicherte Informationen über den Verbleib von Libyern, die damals nach Italien deportiert wurden, sowie die Freigabe von beschlagnahmtem libyschem Eigentum. "Wir wollen mit Libyen eine adäquate Lösung finden", meinte der italienische Regierungschef Berlusconi.

Eigentum

Libyen verlangt von Rom unter anderem die Freigabe von beschlagnahmtem libyschem Eigentum. Italien hatte diese Fragen durch ein Abkommen des Jahres 1956 mit dem damaligen libyschen König Idriss als geklärt betrachtet. Die jetzige Führung in Tripolis erkennt diesen Vertrag jedoch nicht an.

1998 hatten Rom und Tripolis eine Grundsatzerklärung zur Bewältigung der durch die Kolonialära belasteten Vergangenheit unterzeichnet. In der gemeinsamen Erklärung hatten sich die beiden Partner zur "Bekämpfung des Terrorismus in allen seinen Formen, zur Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, zum Abbau aller Faktoren der Instabilität in der Region und zur Einhaltung der Menschenrechte" verpflichtet.

"Negatives Vermächtnis"

Im Sinne einer Aufarbeitung des "negativen Vermächtnisses" der Kolonialzeit hatte Italien erhebliche Mittel zur Beseitigung der Minenfelder in Libyen zur Verfügung gestellt, die während des Zweiten Weltkrieges angelegt wurden und immer noch Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern. Die Zahl der im libyschen Wüstensand vergrabenen Minen soll in die Millionen gehen.

Im Gegenzug hatte sich Tripolis bereit erklärt, Italienern, die 1970 nach der Machtübernahme Muammar Gaddafis aus Libyen ausgewiesen wurden, wieder die Einreise zu gestatten. Über die Entschädigung enteigneten Vermögens sollte gesondert verhandelt werden, bisher kam es jedoch zu keiner Einigung. Libyen hat auf seine Forderung nach einem pauschalen Schadenersatz für die "Schäden und Opfer der kolonialen Repression" verzichtet, verlangt aber die Rückstellung von Beutekunst und Aufklärung über das Schicksal von über 5.000 zwischen 1911 und 1945 nach Italien deportierten Libyern. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Geschenk von Gaddafi an Berlusconi in Tripolis, im Oktober 2002.

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