Wolferl, hupf - Ein "amadeisierter" Opernball im Mozartjahr

23. Februar 2006, 23:55
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Der Kunst der Entkleidung gab man sich erneut während der Eröffnung hin

Die Eröffnung des Jubiläumsballs wurde komplett "amadeisiert", um Mozarts 250. Geburtstag ausgiebig zu feiern. Und angesichts des "Rosenkrieges" wurde heuer – fast – vergessen: Es galt wieder Rauchverbot.

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Wien – Nein, es war natürlich nicht Carmen Electra, die beim Opernball einen Striptease wagte, wie ein paar Gesellschaftsjournalisten hoffnungsvoll gemutmaßt hatten. Der Kunst der Entkleidung gab man sich erneut während der Eröffnung hin, als Ildikó Raimondi und Adrian Eröd singend ein Stück Wäsch' nach dem anderen entblätterten – bis sie im fedrigen Papageno- und Papagenakostüm dastanden, wie Ian Holender sie schuf.

Zum Auftakt des 50. Opernballes der Zweiten Republik führte der 250-jährige Mozart in vielfältigsten Klischeestadien durchs Programm. "Mozart! Spiel doch was Lustiges", wurde gerufen, und schon erklang es "alla turca" im damals so beliebten türkischen Stil – zu dem Wolferl nachgerade, wie dem Film "Amadeus" entsprungen, als Tom-Hulce- Klon herausgeputzt Kunstsprünge vollführte.

Mädchenträume

Dann Raimondi und Eröd mit Ausschnitten aus "Don Giovanni", "Figaro" und "Zauberflöte" – zum Abschluss vom kindlichen Wunderwolferl besucht. Und wenn schon, dann auch die "Kleine Nachtmusik", mit nächtlichen Mädchenträumen vom nun geschrumpften Tom-Hulce- Amadeus.

Sogar der Tanz des Jungdamen- und -herrenkomitees wurde von Mozarts Kontretanz "La Bataille", KV 535, begleitet. Wobei aber – weil bitte Tradition – trotzdem Johann Strauß Sohn eingebaut werden musste: Mitten in den Mozart wurden 100 Sekunden "Vergnügungszug, Polka schnell" eingeschnitten. "Eine wunderbare Idee von Frau Gürtler", fand Zeremonienmeister Klaus Mühlsiegel.

So war es den Jungdamen und Jungherren in den Proben eingebläut worden: "Mozart war ein begeisterter Tänzer, er hatte mit 14 Jahren alle Tänze gekannt. Stellen Sie sich vor, mit welcher jugendlichen Leichtigkeit er getanzt hat", bemühte sich Mühlsiegel um Auflockerung.

Mühlsiegels Mühle

Zitate aus Wolferls Zeit bis in die Tänze hinein: Mühlsiegel schwärmt von der "beliebten Figur im 18. Jahrhundert – die Mühle" und von der "berühmten Rückenkreuzfassung aus dem 18. Jahrhundert".

Nach der Eröffnung dann das beliebte Promi-Raten unter den rund 4600 Gästen. Dass Richard Lugner mit seinem Gast Carmen Electra Reminiszenzen an "Baywatch", Playboy und Hustler weckte, hatte er schon ausgiebig hinausposaunt, ihr zur Seite noch "Gaddafi Junior".

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hatte den Nobelpreisträger und Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Mohammed ElBaradei, in seine Loge eingeladen – ihm zur Seite EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl erwartete die neue US-Botschafterin Susan Rasinski McCaw.

Auf der Gästeliste fanden sich auch die Außenminister Tschechiens, der Slowakei und Rumäniens, Cyril Svoboda, Eduard Kukan und Mihai-Razvan Ungureanu, der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos und der französische Industrieminister Francois Loos. Finanzminister Karl-Heinz Grasser, von Ehefrau und Mozart-Expertin Fiona Swarovski begleitet, erwartete den Präsidenten der EZB, Jean-Claude Trichet.

Ein wenig getrübt war es allerdings heuer, das große erste Defilee der politischen Prominenz. Opernchef Holender schritt die große Treppe hinab, um Bundespräsident Heinz Fischer und dessen Ehefrau zu empfangen und zur Mittelloge zu geleiten. Die TV-Moderatorin Sonya Kraus schaffte es noch, unbeschädigt hinter der Gruppe nachzueilen. Da ertönte schon das Kommando "die Stiege ist frei" – und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und die halbe Regierung steckte misamt ihren Gästen mitten im größten Gewurl fest. "Wir haben uns sehr sorgfältig vorbereitet", verriet zur gleichen Zeit Elisabeth Gürtler den Fernsehzuschauern. Und Fischer gab sein Ballgeheimnis preis: "Wer sich nicht gut unterhält, ist selbst schuld".

Stiegenparade

Es ist ja überhaupt interessant, wer da mit wem kommt, auf der Feststiege. Die Grasser- Swarovskis standen im Blitzlichtinferno, daneben wartete Mario Adorf geduldig. Ex- SPÖ-Minister Rudolf Streicher kam mit Ex-FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, aber die Politik haben die beiden ja hinter sich gelassen. Landeshauptmann Erwin Pröll hatte ORF-Generalin Monika Lindner an seiner Seite.

Traditionell gehört zum Opernball auch die große Aufregung im Vorfeld. Heuer: der Rosenkrieg. Denn die Pracht von 50.000 Blumen war wie der einmal nicht zertifiziert. Trotz weit gediehener Verhandlungen hatte "Opernball- Lady" Elisabeth Gürtler wieder keine Rosen vom Flower Label Programm (FLP) oder Fair Trade gewählt, womit eine sozial- und umweltgerechte Produktion garantiert gewesen wäre. Gürtler schwenkte schließlich auf europäische Produkte ein.

Ob dieser Diskussion trat der große Aufreger von 2005 bereits ganz in den Hintergrund: Denn auch bei diesem Opernball galt wieder Rauchverbot – bis auf kleine Dunstzonen. Die Hilfsangebote für starke Raucher blieben die gleichen: Auch heuer wurde im Foyer wieder Gratis-Nikotinersatz angeboten.

Ausverkauft war er auch wieder, dieser Opernball 2006. Dem Haus sollten rund 4600 zahlende Gäste eine Million Euro bringen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 24.02.2006)

  • Artikelbild
    foto: standard/christian fischer
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