Alphörner und Mausi Lugner

24. Februar 2006, 20:57
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Zum Musiktheaterprogramm von "her position in transition"

Mit herkömmlichen Konzertsituationen hat das Musik(theater)programm von "her position in transition" wenig zu tun. Das Publikum steht oder sitzt nicht nur vor einer Bühne und lässt sich mehr oder weniger beeindruckt berieseln, applaudiert höflich - und ist's bald wieder gewesen.

Dazu sind weder das Programm noch die Art der Darbietung geeignet. Sowohl die Formationen transalpin, Plattform RAGarella und ihr A.p.p.a.R.a.T. als auch Kernzone 100 arbeiten in Formen-und Genregrenzen überwindenden Ideenräumen, die keine festgelegten Grenzen akzeptieren.

Das Überwinden, das Ausreizen und damit Vorwärtsbringen von Ideen, Klängen und auch Situationen, in denen diese Ideen verwirklicht und aufgeführt werden, bilden einen wesentlichen Arbeitsansatz. Noch relativ "traditionell" fungieren diesbezüglich die aus österreichischen Musikerinnen und Schauspielerinnen bestehende Kernzone 100, die sich bei "Mimi goes ..." in Jam Sessions Themen wie "Mimi goes ... haushalt" annehmen.

Hier werden mit den Mitteln der Improvisation und dem "open mike" als Plattform für diverse Gäste Typen wie Ursula Haubner, Mausi Lugner oder Silvio Berlusconi in ihrem Tun und Wirken unter die Lupe genommen und genüsslich seziert.

Transalpin, eine multinationale Formation, präsentiert mit leittönen 1 in urbanen Räumen meist Volksmusik aus den Ländern Bulgarien, Moldawien oder Russland. Der Schwerpunkt liegt dabei auf vornehmlich von Frauen gesungener Vokalmusik. Wie so oft geht es in diesem Zusammenhang um bedrohte (Kunst-)Arten. Zumal es kaum noch einen funktionierenden Generationenvertrag gibt, in dem die Wahrung authentischer Volksmusik berücksichtigt wird. Diese wird entweder zu einer verkaufsfördernd die Identitäten verleugnenden Weltmusik verkitscht oder stirbt langsame Tode.

Hirten und Bauern

Transalpin präsentiert bei den "leittönen" die Musik einer Hirten- und Bauernkultur - unterstützt von dem weiblichen Alphorn- und Perkussionsduo Heitere Fahne.

Weniger im ruralen Raum, sondern in den Klubs der Städte findet statt, was die Künstlerinnen von RAGarella und ihr A.p.p.a.R.a.T im Rahmen von Trash-recycled FEMtronics schaffen. Die deutsche Gruppe wird in Wien zu sechst auftreten. Sie repräsentiert einen aktuellen Stand der so genannten Riot-Grrrl-Bewegung.

Diese kommt aus dem US-Underground der 80er-Jahre, als junge Frauen die aus dem Punk kommende Do-it-yourself-Haltung auch für sich in Anspruch nahmen - und gerade im bis heute männlich dominierten Pop die starre Rollenverteilung aufbrachen.

Und zwar genauso radikal, wie Punk mit den bis dahin geltenden Formen brach. RAGarella und ihr A.p.p.a.R.a.T demonstrieren diese sich veränderten Rollen in einer interaktiven Textil-Sound-Performance, an der das Publikum durch die offene Aufführungssituation teilnehmen kann. (Karl Fluch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2. 2006)

  • Die "Plattform RAGarella" und ihre guten
Geräte am FEM-Tisch.
    foto: standard/scissabob.de
    Die "Plattform RAGarella" und ihre guten Geräte am FEM-Tisch.
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