Wiener Verbands-Vize wegen Rassimus suspendiert

20. Oktober 2006, 17:28
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Lautstarke Beschimpfung eines farbigen Spielers von IC Favoriten - Verband will bei Vorliegen einer Anzeige Fall weiter verfolgen

Wien - Günter Trimmel, Vizepräsident des Wiener Fußball-Verbandes (WFV) und Mitglied des ÖFB-Bundesvorstandes, ist nach einem Rassismus-Vorfall im Wiener Toto-Cup von seinen Funktionen befreit worden. Trimmel soll am vergangenen Wochenende im Spiel Post SV - IC Favoriten (2:0) den 22-jährigen nigerianischen Favoriten-Spieler Mark Emeka Akanu weithin hörbar rassistisch beschimpft haben und wurde dafür von Schiedsrichter Robert Trappel angezeigt.

WFV-Geschäftsführer Koller bestätigte gegenüber dem Antirassismus-Netzwerk "Fair Play" den Vorfall: "Der Schiedsrichter hat eine entsprechende Mitteilung gemacht. Da Herr Trimmel ein Funktionär des WFV ist, haben wir ihn bis zur Klärung der Angelegenheit von seiner Funktion befreit." Trimmel hat sich mittlerweile bei Favoriten-Obmann Walter Thun schriftlich entschuldigt. "Damit ist die Sache für mich erledigt", sagte Thun. Der Verband will die Causa im Rahmen eines "Ehrengerichts" weiterverfolgen, wenn IC Favoriten den Vorfall offiziell bestätigt.

FairPlay-Sprecher Michael Fanizadeh begrüßte das "mutige und entschlossene Vorgehen" des Schiedsrichters. Fremdenfeindliche Sager dürften kein Kavaliersdelikt sein. Er erwarte, dass "der gesamte Verband nun konkrete Schritte setzt." Im Jahr 2002 hatte sich der Wiener Verband und 41 Vereine - darunter auch der IC Favoriten – an der von FairPlay organisierten Aktionswoche "Zeig Rassismus die Rote Karte" beteiligt.

Auf internationaler Ebene sind Schiedsrichter mittlerweile dazu ermächtigt, Spiele bei rassistischen Vorfällen zu unterbrechen. Genau dies tat der Niederländer René Temmink im Oktober 2004 bei der Partie zwischen ADO Den Haag und dem PSV Eindhoven. Zehn Minuten vor Schluss brach er das Spiel ab, nachdem von der Tribüne antisemitische Parolen skandiert wurden. (red)

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