Trickfilme von rebellischen Girls

24. Februar 2006, 20:57
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Mit Animationsfilmen, Videos und Mädchenmagazinen wird von den verschiedensten weiblichen Identitäten und Frauenbildern erzählt

"Mami!", "Tricky Girls", "Wichtig!" und "Rebel Girls": Mit trickreichen Animationsfilmen, realistischen Videos und rebellischen Mädchenmagazinen wird im Rahmen des Künstlerinnenfestivals von den verschiedensten weiblichen Identitäten und Frauenbildern erzählt.


Es sind Mütter, Mädchen und Künstlerinnen, aber auch Trickfilmfiguren, die im Rahmen des Festivals ebenso viel von ihren Ängsten, Interessen und Fantasien wie von ihren politischen Standpunkten erzählen.

"Rebel Girls in Rebel Wor(l)ds"

Während im Video von Nita Mocanu und Hajnalka Bessenyei Mamis im Mittelpunkt stehen, sind es mehr als sechzehn "Tricky Girls", die ihre Animationsfilme präsentieren; Elke Zobl stellt gemeinsam mit Stephanie Müller "Rebel Girls in Rebel Wor(l)ds" vor; und Ilse Kilic präsentiert mit Christine Huber ein Projekt, in dem feministische Künstlerinnen ihren Standpunkt als Kunstschaffende reflektieren: 1989 haben die beiden Künstlerinnen unter dem Titel "Wichtig! - Kunst von Frauen" ein Symposium organisiert, das anschließend auch in Buchform publiziert wurde.

Fünfzehn Jahre später werden nun einige der damals beteiligten Künstlerinnen ihre Positionen erneut formulieren und - unter anderem mit einem Film - Bezug nehmen auf die damals publizierten Texte und Positionen.

"Mami!"

Der Reflexion einer verschärften gegenwärtigen Situation widmen sich die beiden Rumäninnen Nita Mocanu und Hajnalka Bessenyei, die sich in ihrem Video "Mami!" auf das Thema Mutterschaft konzentrieren. Ausschlag gebend für das Videoprojekt war unter anderem ein Gesetz des rumänischen Arbeitsministeriums, das 2005 den Zuschuss für Kinderbetreuung von acht auf zwei Mio. Lei reduzierte.

Das Video, das auf Interviews mit zahlreichen Frauen basiert, zeigt die aktuelle Situation junger Mütter in Rumänien, die unter anderem mit infrastrukturellen Problemen wie fehlenden Geburtshilfeeinrichtungen zu kämpfen haben. Über die lokalen Probleme hinausgehend, stellen sie darin aber auch sehr Allgemeines zur Diskussion, wenn sie die Frauen zum Beispiel nach der Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft befragen.

Kompilation vom Tricky Women Film Festival

Surreal geht es dagegen in den Tricky Films zu, die der Verein Culture2Culture seit zwei Jahren auch in dem eigens für diese medialen Hybride ins Leben gerufenen Tricky Women Film Festival präsentiert. Die für "her position in transition" zusammengestellte Kompilation spiegelt das Festivalthema wider und umfasst eine Vielfalt an bildnerischen Techniken, fantastischen Storys und eigenwilligen Transformationen.

Junge Frauen, die darin ihren Fantasien Ausdruck verleihen, sind auch die Zielgruppe des Projekts "Rebel Girls in Rebel Wor(l)ds", in dessen Zentrum ein Workshop in der Wiener Hauptbücherei steht.

Do-it-yourself

Das von den Zine-Expertinnen Elke Zobl und Stephanie Müller organisierte Projekt versammelt relativ unbekannte Grrrl-Zines aus verschiedenen Ländern, die sich mit Kunst, Musik und Popkultur, aber auch mit privaten und politischen Themen befassen. Zu entdecken gilt es diese auch auf der Website Grrrl Zine Network, die die welt weite Zine-Gemeinschaft vernetzt.

In Wien geben eine Filmvorführung, eine Diskussionsrunde und ein Workshop mit acht internationalen Zine-Redakteurinnen allerdings nicht nur einen virtuellen Einblick in deren aufmüpfige Welten, die Teilnehmerinnen werden auch aktiv in die Abläufe der Do-it-yourself-Produktionen miteinbezogen. (Christa Benzer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2. 2006)

  • "Hold us down!" - ein so süßes wie scharf blickendes Beispiel aus der feinen Filmkiste der "Tricky Girls"-Animationen von Culture2Culture, Österreich.
    foto: standard/jirkuff
    "Hold us down!" - ein so süßes wie scharf blickendes Beispiel aus der feinen Filmkiste der "Tricky Girls"-Animationen von Culture2Culture, Österreich.
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