Schlachtpläne als Vorsorge

28. Februar 2006, 22:11
5 Postings

Niederösterreichs Landes­veterinärdirektor Karner will präventive Schlachtungen - Gesundheitsministerin ist dagegen

St. Pölten/Schwerin - Besser totes Geflügel als krankes Geflügel - so lautet für den Niederösterreichischen Landesveterinärdirektor Franz Karner ein Notrezept gegen eine umfassende Verbreitung des gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1. Im Fall erster Ansteckungen von Nutzgeflügel - die es in Österreich derzeit nicht gibt - wäre es "klüger, die Zuchtbestände in der Schutzzone präventiv zu keulen als zu riskieren, dass das Virus in den Ställen epidemisch wird", erläutert er im STANDARD-Gespräch.

Auch in Österreich sollten solche vorausschauenden Notschlachtungen "andiskutiert werden", meint Karner. Immerhin drohe nach einem Übergreifen des Virus auf die Zuchten ein "Einbruch bei den Geflügelexporten mit hohem wirtschaftlichen Schaden", weil dann "die anderen Staaten die Grenzen dicht machen". Auch dürften die betroffenen Züchter dann keine Eier mehr verkaufen, was ihre Existenz gefährden würde.

Stallpflicht "ausreichend"

Ablehnung kommt von Ulrich Herzog, Leiter des Fachbereiches Verbrauchergesundheit im Ministerium: Keulungspläne stünden derzeit ebenso wenig an wie Impfungen heimischen Geflügels. Die Stallpflicht und die "Politik strenger Kontrollen der Zuchtbetriebe" seien "vollkommen ausreichend", sagte er vor dem informellen Treffen aller EU-Gesundheitsminister am Freitag in Wien.

Vogelgrippealarm bei Nutzgeflügel trotz präventiver Notschlachtungen hat es am Donnerstag auf der Ostseeinsel Rügen im deutschen Mecklenburg-Vorpommern gegeben. Am Vormittag hatte ein Schnelltest bei einer Hausente H5N1 ermittelt. Doch schon wenige Stunden später konnte der Mecklenburger Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Entwarnung geben: Die Überprüfungsergebnisse seien Virus negativ. Auf Rügen hatte man alle Tiere in zwei Geflügelzuchten getötet, weil in unmittelbarer Nähe viele Wildvogel-Kadaver gefunden worden waren.

Erstmals unter Wildvögeln trat das gefährliche Virus am Donnerstag in der Slowakei auf - und zwar in einem Wanderfalken und einem Weißhaubentaucher. Die von den Behörden eingerichtete Zehn-Kilometer-Überwachungszone umfasst auf heimischem Gebiet die Gemeinden Wolfsthal, Berg und Kittsee. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 24.02.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.