The Secret Face und WasteBand

23. Februar 2006, 20:57
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Aus gegensätzlichen Welten: Soloperformances von Pálína Jónsdóttir und Patrícia Portela

Sie stammen aus bis zur Gegensätzlichkeit unterschiedlichen Teilen Europas: die eine von der kühlen, vulkanischen Insel Island; die andere aus dem sonnige Urlaube versprechenden Portugal. Was die beiden Künstlerinnen verbindet, ist ihre so eigenständige wie politische Ästhetik und eine innovative Diskurskraft: Pálína Jónsdóttir und Patrícia Portela.

Pálína Jónsdóttir,

die bei "her position in transition" unter der Regie von Steinunn Knútsdottir die Soloperformance "The Secret Face" zeigen wird, stand bereits mit neun Jahren auf der Bühne des Nationaltheaters in Reykjavík. Sie studierte in Frankreich am Lyoner Musik- und Tanzkonservatorium und auf Island an der Drama Academy, am Ballet Institute, zudem an der Universität Philosophie und Literatur. Ihr künstlerisches Spektrum umfasst Arbeiten sowohl im Theaterbereich als auch in Film und Fernsehen. Jónsdóttir gründete eine eigene Produktionsfirma, die auf die Realisierung von progressiver Kunst spezialisiert ist.

"The Secret Face", 2004 auf dem New Yorker Fringe Festival vertreten, handelt von einer Verliebten, die ihre Story der Weltpresse offeriert, aber nur, um zu erfahren, dass diese mit ganz anderen Dingen befasst ist. In diesem Zustand des Wartens bricht die Innenwelt der von Jónsdóttir verkörperten Figur auf und öff- net den Blick auf die Dilemmata eines durch die moderne Manipulationsgesellschaft geprägten Charakters. Wie ist darin ein Leben neu zu werten und aufzubauen? Etwa über ein "Beerdigungsspiel"?

Patrícia Portela

nutzt für ihre Arbeiten weniger die Expressivität des Körpers als vielmehr die "Magie" seiner Medialität. In "WasteBand" setzt sie sich mit ihren Zuschauerinnen an einen Tisch und führt sie in eine dichte, fantasievolle und absurde virtuelle Präsentation ein. Portela hat Bühnenbild und Kostümbildnerei in Lissabon, Utrecht und Dänemark studiert. Vor Kurzem war ihre phänomenale Trilogie "Flatland" in Gent zu sehen, deren erster Teil bereits im Vorjahr während der Sommerszene Salzburg beeindruckt hat.

In einem Text über "WasteBand" heißt es: "Es ist, als säßen wir in einem Filmtheater, die Lichter sind gerade ausgegangen, und der Vorhang hat die Leinwand noch nicht enthüllt." Alles scheint möglich, sogar "dass wir heute den besten Film unseres Lebens sehen". (ploe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2. 2006)

"The Secret Face" im KosmosTheater; "WasteBand" im BesucherInnenforum der U2/U3-Station Volkstheater.
  • Patrícia Portela bei ihrer Performance für einen Astronauten, einen Musiker und eine PowerPoint- Präsentation.
    foto: standard/bateira
    Patrícia Portela bei ihrer Performance für einen Astronauten, einen Musiker und eine PowerPoint- Präsentation.
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