Frauen verdienen in EU 15 Prozent weniger

23. Februar 2006, 22:10
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Gleichstellungsbericht der EU-Kommission: Weite Einkommensschere in Österreich - Finanzzuckerl für Hausmänner gefordert

Brüssel - Frauen verdienen in der EU im Durchschnitt noch immer 15 Prozent weniger als Männer. Zu dem Ergebnis kommt der aktuelle Gleichstellungsbericht der EU-Kommission, der laut Wifo-Expertin Christine Mayrhuber die Brutto-Stundenlöhne vergleicht. "Die Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern sind nach wie vor unannehmbar hoch, ohne dass sich eine Änderung abzeichnet", heißt es darin.

Österreich liegt bei dieser Untersuchung am viertletzten Platz. Höhere Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es nur noch in Estland, Zypern und der Slowakei. In Belgien, der Slowakei, Portugal, Frankreich und Deutschland ist der Einkommensunterschied zulasten der Frauen seit 1999 sogar größer geworden, so die EU-Kommission. In 17 EU-Staaten habe er sich geringfügig verringert, in drei Ländern sei die Differenz gleich geblieben.

Geringe Aufstiegschancen

Auch die Rolle von Frauen in Führungspositionen bleibt schwach. "Positive Entwicklungen sind sehr langsam." Mehr als ein Drittel weibliche Parlamentsabgeordnete gebe es etwa nur in Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Finnland, Spanien und Belgien, während der Frauenanteil im Hohen Haus in Griechenland, Irland, Slowenien, Italien, Ungarn und Malta unter 15 Prozent liege.

In Europas Wirtschaft sind dem Bericht zufolge durchschnittlich 32 Prozent aller ManagerInnenposten mit Frauen besetzt. Nur zehn Prozent der Vorstandsmitglieder und drei Prozent der Geschäftsführenden größerer Unternehmen in der EU sind jedoch Frauen. "Anlass zur Sorge" gibt auch der sich hartnäckig haltende geschlechtsspezifische Unterschied im Bereich der Teilzeitbeschäftigung: 32,6 Prozent der erwerbstätigen Frauen, aber nur 7,4 Prozent der Männer arbeiten Teilzeit.

Anreize für Hausmänner

Um die anhaltende Benachteiligung von Frauen im Arbeitsleben zu beenden, fordert die EU-Kommission zudem finanzielle Anreize für Hausmänner. Vor allem die Kinderbetreuung behindere Frauen nach wie vor bei ihrer Karriere, hieß es im Gleichstellungsbericht weiters: "Entschieden sollte gegen sexistische Stereotypen vorgegangen und sollten Männer ermuntert werden, Aufgaben in Haushalt und Familie zu übernehmen. Dies schließt auch die Entwicklung vor allem finanzieller Anreize ein, die eine bessere Verteilung von Aufgaben zwischen Frauen und Männern unterstützen." Männern solle es erleichtert werden, Erziehungsurlaub zu nehmen. (APA/Reuters, ruz/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2. 2006)

  • Die Einkommensschere klafft weiterhin, in manchen EU-Staaten gar mehr als in vergangenen Jahren.
    foto: standard/cremer
    Die Einkommensschere klafft weiterhin, in manchen EU-Staaten gar mehr als in vergangenen Jahren.
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