Schulstunde der Seelenpein

2. März 2006, 17:42
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Mozarts "Gärtnerin aus Liebe" im Wiener Konzerthaus

Wien - Da sind sieben einsame Menschen auf der Suche nach Liebe. Ist es das, was die zehn-bis vierzehnjährigen Schüler mit auf den Weg in ihr Klassenzimmer nahmen? Oder doch nur die Erinnerung an einen komischen Tumult mit Musik, veranstaltet auf dem Landgut eines Amtsvorstehers? Nun, vielleicht von beidem etwas. Mozart war achtzehn, als er das Dramma giocoso Die Gärtnerin aus Liebe schreib. Doch schon hier geht es wie in seinen Spätwerken um alles oder nichts. Gefühle brechen sich Bahn, Ratlosigkeit, Verzweiflung und Aggression. Sie wissen nicht mehr aus noch ein, erkennen sich selbst nicht mehr.

Das Team um Markus Kupferblum, (Regisseur) kürzten das Drei-Stunden-Werk auf schulstundentaugliche 60 Minuten. Dann ließen sie sich etliches einfallen, um die Story spannend und verständlich zu machen. Ramiro etwa erklärt alles in einer Rahmenhandlung. Zustimmung gibt's, wenn Arminda mit Paris Hilton verglichen wird.

Seelenpein en gros: Während der Amtsvorsteher (komödiantisch: Roman Payer) versucht, seine heiratsfreudige Nichte (auf hysterisch getrimmt: Annika Liljenroth) mit dem Grafen Belfiore (Javier Alonso) zu verkuppeln, hat er selbst nur Augen für die Gärtnerin Sandrina (souverän: Ursula Langmayr).

Nardo (Matthias Helm) liebt Serpetta (Bernadette Steiniger), ohne wiedergeliebt zu werden. Dirigent Georg Kugi interpretiert das Beziehungsdurcheinander gemeinsam mit dem Chor und dem Orchester des Musikgymnasiums entstaubt und locker. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2.2006)

Von
Beate Hennenberg

Termine

25. 2., 15.00,
26. 2., 11.00 und 15.00 Uhr

Konzerthaus, Infos:
(01) 242 002

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