RLB Oberösterreich setzt auf Deutschland

22. März 2006, 09:44
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Die Raiffeisenlandesbank OÖ expandiert in Bayern, Baden- Württemberg - und Südrussland- Zudem will Bankchef Scharinger weitere mittelständische Beteiligungen eingehen

Wien - Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ), genauer gesagt deren Generaldirektor Ludwig Scharinger, will ihren deutschen Konkurrenten weiter auf die Pelle rücken. Derzeit betreuen die Oberösterreicher in ihren fünf süddeutschen Niederlassungen rund 6850 Kunden. Demnächst kommen Niederlassungen in Ulm und Würzburg dazu, wobei die RLB OÖ kein Retailgeschäft macht, sondern Firmenkunden betreut, Public-Private-Partnership-Projekte finanziert und über ihre Privatbank die so genannten gehobenen Privatkunden verarztet.

Konten in Österreich

Zu diesem Engagement, das die deutschen Banker mit wachsendem Ingrimm beobachten, kommen noch jene Kunden aus Deutschland, die ihre Konten aufgrund der Rechtslage (Stichwort: Hartz IV) lieber in Österreich unterhalten. Hartz IV beinhalte eben Vorschriften, mit denen "Ex-Finanzminister Eichel dem deutschen Geld- und Kapitalmarkt sehr geschadet hat", meinte Scharinger am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Was die Österreicher abseits ihres "Charmes" so beliebt mache: "Die deutschen Banken sind Basel-II-Kennziffer-Fetischisten geworden; man muss aber auch die Soft Facts eines Unternehmens kennen. Wir spüren ein Aufamten in Bayern, wenn wir kommen und diese Soft Facts einfließen lassen." Für die RLB OÖ werde Deutschland jedenfalls "immer wichtiger". In Zahlen gegossen: 2005 lag das Betriebsergebnis in Summe bei 143 Mio. Euro, rund elf Prozent davon (16 Mio. Euro) stammen aus Bayern. Scharingers mittelfristiges Ziel: 20 Prozent.

Süd-Russland im Visier

Auch ums andere Ende Europas - "Süd-Russland, das die Österreicher vernachlässigen" - kümmern sich die Linzer Giebelkreuz-Banker. Sie haben sie sich soeben mit fünf Prozent an der Center Invest Bank beteiligt, der größten Regionalbank vor Ort. Weitere Zukäufe sind nicht ausgeschlossen, "wenn sich etwas Vernünftiges anbietet, werden wir zuschlagen", verriet Scharinger. Er gebe sich übrigens mit der Rolle des Minderheitsaktionärs zufrieden, "wer sich als Minderheitsaktionär kein Gehör verschaffen kann, der kann es auch nicht mit 51 Prozent".

Überhaupt zeigt sich Scharinger einkaufslustig wie immer. Zum weiten Reich der RLB OÖ (394 Beteiligungen mit in Summe 65.600 Mitarbeitern und 14,8 Mrd. Umsatz lieferten im Vorjahr 250 Mio. Euro an die RLB ab) sollen heuer "zehn bis 15 Beteiligungen" dazukommen.

Voestalpine kann keiner übernehmen

Eine Übernahme der profitablen Voestalpine, an der die RLB 16 Prozent hält, sieht Scharinger übrigens nicht herandräuen. Durch "interne Abkommen und gegenseitige Anbotspflichten" seien rund 50 Prozent in Händen "befreundeter Eigentümer; die Voestalpine kann keiner übernehmen". An einen Verkauf denkt der Raiffeisen-Manager schon gar nicht: "Die beste Kuh im Stall verkauft nur ein schlechter Bauer. Und und wir sind kein schlechter Bauer." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.2.2006)

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