3. März 2006, 12:47
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Der Verlag der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) will die Verurteilung wegen des Missbrauchs des Konterfeis von Ex-Tennisprofi Boris Becker nicht auf sich sitzen lassen. "Die Summe von 1,2 Millionen Euro halte ich für völlig überzogen", sagte FAZ-Justitiar Claas-Hendrik Soehring. Wie der von Becker verklagte Verlag nun weiter vorgehen werde, sei noch nicht endgültig sicher. "Wir müssen jetzt erst einmal die Urteilsgründe prüfen", erklärte der Jurist. Eine Berufung gegen das Urteil des Landgerichtes München vom Mittwochabend sei aber möglich.

Das Gericht hatte den Verlag zur Zahlung von 1,2 Millionen Euro plus Zinsen an Becker verpflichtet. Der ehemaligen Wimbledon-Sieger hatte die Zeitung auf knapp 2,4 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Der Verlag hatte 2001 für seine damals neue "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" in Anzeigen mit einer fiktiven Ausgabe des Blattes geworben. Auf der Titelseite waren ein Foto Beckers und die Überschrift "Der strauchelnde Liebling" zu sehen. Nach dem Urteil wäre ein solcher Bericht in einer echten Zeitung durch das Presserecht gedeckt gewesen. Im vorliegenden Fall habe es sich aber um eine reine Werbeaktion gehandelt. "Wir sind der Meinung, in diesem Sonderfall kann das keine Rechtsverletzung sein", sagte Soehring.

Der Anwalt des Ex-Tennisstars, Georg Stock, zeigte sich mit dem Urteil zufrieden: "Ich finde es ein gutes Ergebnis. Ob es das Ende der Fahnenstange ist muss man sehen, wir werden uns erst einmal die Urteilsbegründung gründlich ansehen", sagte Stock. "Das Urteil bestätigt, dass die FAZ nicht einfach das Bild meines Mandanten für Werbung hernehmen kann."

Der Verlag, der durch die Medienkrise zuletzt umfangreiche Sparmaßnahmen einleiten musste, war nach eigenen Angaben erstmals mit einer derartigen Schadensersatzklage konfrontiert. Das Prozessrisiko sei zum Teil abgesichert und zum anderen Teil durch Rückstellungen bereits abgedeckt. (Reuters)

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