Internet Sex-Videos schaden einer Promi-Karriere kaum

3. März 2006, 16:56
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Toleranz selbst im prüden Amerika - Pamela Anderson und Paris Hilton profitierten von freizügigen Aufnahmen

Von Marilyn Monroe über Pamela Anderson bis Paris Hilton: Von vielen Stars kursieren mehr oder minder freiwillig entstandene Sex-Videos, die im Internet hunderttausendfach verbreitet werden. Zuletzt traf es Rocksänger Kid Rock und Schauspieler Colin Farrell. Beide gehen gerichtlich gegen die Veröffentlichung von Filmen vor, die sie in äußerst intimen Momenten zeigen. Doch selbst im oft prüfen Amerika wird das Video ihrer Karriere kaum schaden.

"Die Öffentlichkeit verzeiht viel", erklärt die Chefredakteurin der Frauenzeitschrift "Cosmopolitan", Kate White. "Und sie ist fasziniert. Niemand sagt 'Oh, nein, Colin, du doch nicht'." Im Gegenteil, das Video mache den Schauspieler nur noch interessanter. "Sein Name wird genannt", erklärt White weiter. "Wenn allerdings unser Sexvideo veröffentlicht würde, hätten wir ein ziemliches Problem."

Die Menschen beurteilen heute die Stars offenbar nach anderen Maßstäben als zum Beispiel Politiker. Oder sich selbst.

In den Anfangstagen des Hollywood-Kinos war das ganz anders. Die Studios bemühten sich, jegliches Verhalten zu unterdrücken, das nicht zum Image eines Schauspielers passte. Diese mussten sich schriftlich verpflichten, gewisse moralische Standards einzuhalten, wie der Professor für Hollywood-Geschichte an der Universität von Kalifornien, Jonathan Kuntz, erklärt.

Trotzdem hat ein Museum in Hollywood ein Band in seinem Besitz, dessen unscharfe Bilder eine junge Frau beim Sex mit einem Mann auf einer Couch zeigt. Das Museum ist überzeugt, dass diese junge Frau Marilyn Monroe ist. Die Bilder sollen aus dem Jahr 1948 stammen. Kuntz kennt die Aufnahmen nicht, wäre aber nicht überrascht, wenn es tatsächlich die Monroe wäre. "Damals war sie einfach ein kleines Starlet, das versuchte, ganz nach oben zu kommen."

Doch erst die Verbreitung von Videorekordern und kassetten machten das Promi-Sex-Tape populär. Ende der achtziger Jahre wurde Schauspieler Rob Lowe beim Geschlechtsverkehr mit zwei Frauen in einem Hotelzimmer gefilmt. Eine von ihnen war minderjährig. Ihm gelang jedoch das Comeback: Lowe bekam die Rolle des Präsidentenberaters Sam Seaborn in der Fernsehserie "The West Wing".

Zehn Jahre später traf es Anderson und ihren damaligen Ehemann, den Rockstar Tommy Lee. Das Video wurde aus ihrem Haus gestohlen und im Internet hunderttausende Male heruntergeladen. Auch Andersons Karriere nahm keinen Schaden. Sie drehte die Serie "V.I.P.", die immerhin vier Jahre im amerikanischen Fernsehen lief. Derzeit ist sie in der Comedy-Serie "Stacked" zu sehen.

Ende 2003 brachte ein Sex-Video Paris Hilton Weltruhm ein. Damals war die Hotelerbin schon ein Liebling der Paparazzi, weil sie stets knappe Kleidung trug und sich gerne beim Feiern fotografieren ließ. Das Video, das sie mit ihrem damaligen Freund Rick Salomon zeigte, tauchte kurz vor der Premiere ihrer Reality-Show "The Simple Life" auf und machte nicht nur Salomon zum Millionär. Hilton wurde zum Superstar. Es folgten: ein Duft, eine Nachtclub-Kette, eine CD, ein Buch. Auf der Liste der häufigsten Suchbegriffe bei Yahoo 2005 schaffte es "Paris Hilton" auf Platz sieben. Weltweit.

"Wenn man ein US-Senator ist und ein Sex-Tape taucht auf, kann das eine Karriere ruinieren", sagt der Professor von Popkultur an der Universität Syracuse, Robert Thompson. "Wenn man Paris Hilton ist, kann es die Karriere starten." Die Aufnahmen passten in das Bild, das Hilton von sich verkaufen wollte. Sie wollte sexy und provokativ wirken. Es wäre etwas anderes, wenn solche Aufnahmen von Tom Hanks auftauchen würden.

Colin Farrell muss sich also keine Sorgen machen. Der irische Schauspieler ("Alexander") ist derzeit mit dem Film "The New World" über die Beziehungen zwischen den amerikanischen Ureinwohnern und britischen Siedlern Ende des 17. Jahrhunderts zu sehen. Die Kritiker waren wenig begeistert. "Wahrscheinlich sehen ihn mehr Leute in dem Sex-Video als in dem Film mit den Indianern", sagte White. "Und vielleicht ist das sogar gut."

Vorausgesetzt natürlich, Farrell macht in dem Video eine gute Figur. Eine Promi-Karriere kann nämlich durchaus Schaden nehmen, wenn die Zuschauer Tränensäcke und fettige Haare zu sehen bekommen. "Das wäre wirklich ein Skandal", sagt Thompson. (Von Jocelyn Noveck/AP)

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