Frauen verdienen in EU 15 Prozent weniger

29. März 2006, 14:57
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Frauen verdienen in der EU noch immer 15 Prozent weniger als Männer - Nur jede zehnte Frau rückt in Führungspositionen auf

Brüssel - Frauen verdienen in der Europäischen Union im Durchschnitt noch immer 15 Prozent weniger als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt der am Donnerstag in Brüssel vorgelegte aktuelle Gleichstellungsbericht der EU-Kommission. "Die Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern sind nach wie vor unannehmbar hoch, ohne dass sich eine Änderung abzeichnet", heißt es in dem Bericht.

In Belgien, der Slowakei, Portugal, Frankreich und Deutschland sei der Einkommensunterschied zu Lasten der Frauen seit 1999 sogar größer geworden, kritisiert die EU-Kommission. In 17 EU-Staaten habe er sich geringfügig verringert, in drei Ländern sei die Differenz gleich geblieben. Im europaweiten Durchschnitt sei die Einkommenskluft seit 1999 nur um einen Prozentpunkt kleiner geworden. Die untersuchten Daten beziehen sich auf 2004, wegen der unterschiedlichen nationalen Berechnungen seien Ländervergleiche schwierig, betont die Kommission.

Kaum Bewegung im Top-Management

Auch die Rolle von Frauen in Führungspositionen "bleibt schwach", konstatiert der EU-Bericht. "Positive Entwicklungen sind sehr langsam." Mehr als ein Drittel weibliche Parlamentsabgeordnete gebe es etwa nur in Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Finnland, Spanien und Belgien, während der Frauenanteil im Hohen Haus in Griechenland, Irland, Slowenien, Italien, Ungarn und Malta unter 15 Prozent liege.

Mehr Uni-Abschlüsse im Bereich Forschung bei Frauen

In Europas Wirtschaft sind dem Bericht zufolge durchschnittlich 32 Prozent aller Managerposten mit Frauen besetzt. Nur zehn Prozent der Vorstandsmitglieder und drei Prozent der Geschäftsführenden größerer Unternehmen in der EU sind jedoch Frauen. Im Bildungs- und Forschungsbereich schließen mehr Frauen (59 Prozent) ein Studium ab als Männer. Dennoch stellen Frauen nur 15 Prozent der ordentlichen Professorinnen.

Im Jahr 2004 stieg die Beschäftigungsquote der Frauen in der EU um 0,7 Prozentpunkte auf 55,7 Prozent. Die Beschäftigungsquote der Frauen über 55 stieg um einen ganzen Prozentpunkt auf 31,7 Prozent und lag damit 5,4 Prozentpunkte über dem Niveau von 1999. "Dieses positive Bild darf nicht darüber hinweg täuschen, dass den größten Zuwachs bei der Frauenbeschäftigung jene Bereiche und Berufe zu verzeichnen hatten, in denen bereits jetzt überwiegend Frauen tätig sind", betont der Bericht. Mehr als vier von zehn weiblichen Beschäftigten seien in der öffentlichen Verwaltung, im Bildungswesen, im Gesundheits- oder Sozialbereich tätig, im Vergleich zu weniger als zwei von zehn Männern.

"Anlass zur Sorge" gibt laut Kommission auch der sich hartnäckig haltende geschlechtsspezifische Unterschied im Bereich der Teilzeitbeschäftigung: 32,6 Prozent der erwerbstätigen Frauen, aber nur 7,4 Prozent der Männer arbeiten Teilzeit. (APA)

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    In Belgien, der Slowakei, Portugal, Frankreich und Deutschland ist der Einkommensunterschied zu Lasten der Frauen seit 1999 sogar größer geworden.

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