Holocaust-Lüge: Postfaschist zweifelt KZ-Gaskammern an

4. März 2006, 17:03
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Neofaschistische Fiamma Tricolore schließt Wahlpakt mit Berlusconi - Neue Polemik in Rom

Rom - Luca Romagnoli, Chef von Italiens neofaschistischer Partei MS-FT (Movimento Sociale-Fiamma Tricolore), sorgt mit Aussagen über den Holocaust für Aufsehen. Auf eine Frage eines Journalisten über die Shoah antwortete der 40-jährige Universitätsprofessor: "Ehrlich gesagt, habe ich keine Hinweise um zu behaupten oder zu bestreiten, dass es die Gaskammern in den Konzentrationslagern jemals gegeben hat", sagte Romagnoli.

Der Parteichef erklärte, er habe mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi über eine Wahlallianz diskutiert. Sie seien zu einem mündlichen Abkommen gelangt, versicherte Romagnoli, Nachfolger des historischen Neofaschisten Pino Rauti an der Spitze der Fiamma Tricolore.

Ahmadinejad-Vergleich

Romagnoli sorgte für Aufruhr in Rom. "Romagnolis Worte ähneln jene des iranischen Präsidenten Ahmadinejad", kommentierte ein Parlamentarier der Lega Nord, Luca Pirovano. Romagnolis Worte fachen die Debatte über die so genannten "Skandalkandidaten" in den Reihen der Regierungskoalition und der Opposition in Hinblick auf die Parlamentswahlen am 9. April weiter an. Der Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer, Pier Ferdinando Casini, hatte die Parteien diese Woche aufgefordert, Kandidaten mit extremistischen Ansichten aus den Wahllisten zu streichen. "Regierungskoalition und Opposition müssen einen Pakt gegen extreme Kräfte und Kandidaten schließen", meinte Casini.

Berlusconi erweitert extrem

In seinen Bemühungen um den Sieg bei den Parlamentswahlen hat Regierungschef Berlusconi seine Mitte-Rechts-Allianz bereits auf die rechtsextreme Bewegung "Alternativa Sociale" um Alessandra Mussolini, Enkelin des Duce, erweitert, was für heftige Diskussionen und Polemik im Regierungsbündnis sorgt. Auf eine Kandidatur mussten dann die wegen ihrer neofaschistischen Vergangenheit umstrittenen Spitzenpolitiker der Partei, Roberto Fiore, und Adriano Tilgher verzichten.

Nun will Berlusconi seine Allianz auf die 1995 gegründete Fiamma Tricolore erweitern. Der Neofaschist Rauti hatte die Partei 1995 nach der Abspaltung von der rechten Nationalallianz (AN) von Gianfranco Fini gegründet. Damals hatte sich Rauti geweigert, zur faschistischen Vergangenheit der Partei auf Distanz zu gehen. Fini hatte sich zu dieser Linie entschlossen, um ein Bündnis mit der Forza Italia von Silvio Berlusconi einzugehen. Rauti und Fini gehörten früher der MSI (Movimento Sociale Italiano) an, die Ende 1993 in "Alleanza Nazionale" umbenannt worden war. (APA)

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